Die Zukunft gehört der Güte

WEGE DURCH  DAS LAND startet am 14. Mai 2015 in Gütersloh

titelbild_01

Das 16. Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land› führt vom 14. Mai 2015 bis zum 8. August 2015 an 23 verschiedene Renaissanceschlösser, barocke Herrenhäuser, in Klöster und auf Deelen sowie in die freie Natur unter den blauen Himmel. Ein ganzes Dorf spielt mit. Acht neue Orte sind darunter, viele vertraute Bekannte lesen und 7 prominente Schauspieler geben ihr Debüt, insgesamt sind 185 Künstler aus 19 Ländern beteiligt. Das Programm glänzt mit großen Namen und Entdeckungen, es entwickelt aus der inhaltlichen Verknüpfung von Ort, Text und Musik neue, aufregende unerwartete Konzepte mit 5 Uraufführungen, Eigenproduktionen und Auftragsarbeiten, es vertraut unbedingt dem Wort und darauf, dass die Zukunft der Güte gehört.

Zur Eröffnung im Theater Gütersloh am 14. Mai 2015 hält Michael Krüger, Schriftsteller und überragende Verlegerpersönlichkeit, die ‹Rede an die Sprache›. Klaus Maria Brandauer liest Briefe und Gedichte, die Dietrich Bonhoeffer in der Haft verfasst hat. Dieser leidenschaftliche Auftakt zum Nachdenken erhält durch die Musik von Bach, Brahms und Ullmann eine mildere Färbung, die mit der folgenden Exkursion in die Abtei Marienfeld, Franziskanerkloster Rietberg, zum Haus Brincke und in die Likörmanufaktur Schroeder einen Zug ins Pastorale bekommt.

Eingang Haus Brincke
Eingang Haus Brincke

Dann lesen Norbert Hummelt und Judith Zander, der Cellist Alban Gerhardt und das Ensemble Wunderkammer treten auf. Auf Gut Geissel mit Verbindungen an den Comer See kombiniert das Programm am 15. und 16. Mai den italienischen Klassiker ‹Die Verlobten› von Alessandro Manzoni mit den Gedichten der Lyrikerin Patrizia Cavalli und einem Konzert frühbarocker Musik lombardischer Meister mit Stefan Temmingh, Loredana Gintoli und Stephan Rath. Im Gestüt Ebbesloh am 16. und 17. Mai begegnet Tolstois Geschichte eines Pferdes ‹Der Leinwandmesser› Clemens Meyers’ Erzählung ‹Von Hunden und Pferden›. Johann von Bülow schickt am 17. Mai im Gut Nottbeck Voltaires Candide auf die Suche nach ‹der besten aller Welten›, während der hellsichtige Beobachter Sherko Fatah seinen Helden, dem die Werte verloren gegangen sind, am ‹Letzten Ort› sieht.

Gut Geissel
Gut Geissel

Gespräche über russische Zustände werden am Pfingstwochenende auf Gut Böckel mit seiner nach Rußland reichenden Tradition aufgenommen, wenn Martina Gedeck und Ulrich Noethen Tolstois Klassiker ‹Anna Karenina› im Dialog lesen und auf Gut Consbruch tragen Jens Harzer und Maria Galic aus Schillers ‹Die Räuber›, das Boulanger Trio ist u. a. mit dem großen Bewunderer Schillers, Robert Schumann, zu erleben. Wege durch das Land wird am 30. Mai im Theater im Park von Bad Oeynhausen wortwörtlich genommen, wenn mit Constanze Becker, Jürgen Holtz, Leslie Malton, Felix von Manteuffel und Max Simonischek fünf herausragende Theaterschauspieler Texte zum Zusammenhang von Gehen und Denken, Wegstrecke und Weg der Erkenntnis vortragen und im Konzert Schnittke und Schumann gegeben werden.

Zum zweiten Mal findet eine Lyriksession statt, in diesem Jahr am 4. Juni auf Schloß Wehrden, wo ein ganzer Tag der zeitgenössischen Lyrik gewidmet ist. Am 6. Juni unterstreicht Hanna Schygulla in ihrer Lesung von Bertha von Suttners ‹Die Waffen nieder› im Stift Fischbeck das heimliche Motto des der diesjährigen ‹Wege durch das Land›: ‹Die Zukunft gehört der Güte›. Eine Woche später trifft in der Klosterkirche von Falkenhagen in der Lesung von Burghart Klaußner der Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee mit der bewegenden Musik The Blue Shroud zusammen. Von Büren gibt es eine direkte Verbindung nach Rom, die am 20. Juni in der Lesung von Goethes Römischen Elegien aufgegriffen wird.

Schloss Werden
Schloss Werden

Eine Premiere ist hier die Lesung von Durs Grünbein mit dem in Rom angesiedelten ‹Photopoem›. Am Schloß Wendlinghausen, bekanntlich mit Johann von Goethe verbunden, finden am 26. Juni seine von Hanns Zischler gelesenen Metamorphosen der Pflanzen in den Dichtungen von Franz Josef Czernin einen Echoraum. In der Abtei Marienmünster entsteht am 27. und 28. Juni eine besondere Bühne: Drei Schauspielerinnen des RambaZamba Theaters Berlin mit Down-Syndrom, Nele Winkler, Juliana Götze und Rita Seredßus, sind gemeinsam mit Angela und Tammo Winkler in einer Inszenierung nach Anton Tschechows ‹Schwestern› zu erleben.

Schloss Wendlinghausen
Schloss Wendlinghausen

Vom 3. – 5. Juli ist Fritzi Haberlandt als die diesjährige Schauspielerin in Residence auf dem Gut Holzhausen zu Gast. ‹Heimsen. Versuch über ein Dorf› ist das Literatur-Musik-Kunst-Projekt überschrieben, bei dem der Schauspieler Robert Stadlober und der Musiker und Texter Andreas Spechtl am 11. und 12. Juli nicht nur viele Künstlerfreunde einbeziehen, sondern das ganze Dorf in den künstlerischen Prozess und die Aufführung integrieren.

Am 17. und 18. Juli in der Dr. Oetker Welt Bielefeld spielt das Kronos Quartet und Monique Truong und Lilith Stangenberg sind mit Lesungen zu erleben. Hier gibt es auch die Jungen Wege als eine einzige Einladung an die Fantasie mit den Schauspielerinnen und Musikerinnen Saskia Mees und M. A. Whiteside.

Am 19. Juli findet mit dem Architekten David Adjaye auf Gut Böckel die diesjährige Rede zur Architektur statt. Jedes Märchen ist pure Poesie und Fremdsprache zugleich, im Schloß Corvey treten Katharina, Anna und Nellie Thalbach zur Lesung am 25. und 26. Juli mit Hausmärchen der Brüder Grimm gemeinsam auf, Ulrike Almut Sandig spitzt in ihrem für das Literatur- und Musikfest entstandenen Gedichtzyklus ‹Grimm› die Märchenmotive zu. Hans Magnus Enzensberger trifft sich am 1. August im Konzerthaus Detmold mit Udo Samel zu einem Gespräch mit Diderot, dabei ist auch Franui Musicbanda. Als Finale am 8. August dann ein Wandern mit Worten, ausgehend von einem alten Quellheiligtum, durch eine vielfältige reiche Kulturlandschaft an mittelalterlichen Wölbackerbeeten vorbei, an Orchideenwiesen entlang, über Kalkmagerrasen in tiefe Täler, begleitet von Musikern, Biologen, dem Schauspieler Hans Kremer und der Schriftstellerin Nora Bossong, mit Texten von Jürgen von der Wense und ganz neuen Arbeiten von Nora Bossong, die schon einmal vorab die Landschaft schriftstellerisch erkundet hat.

Kartenbestellung: online unter http://www.wege-durch-das-land.de
oder telefonisch unter 05231 / 30 80 210

Informationen zum Literatur- und Musikfest: http://www.wege-durch-das-land.de

Wege durch das Land, Hornsche Straße 38, 32756 Detmold,
Tel. 05231 / 30 80 20

Künstlerische Leitung: Dr. Brigitte Labs-Ehlert

Finissage auf Gut Geissel

Ein ereignisreiches Wochenende liegt vor ihnen. Die beiden Galeristinnen Anne Geissel und Marita Petermeier-Schnieders freuen sich zunächst einmal über ihre zweite Kunstausstellung. Die Finissage findet am Samstag, den 5. Juli 2014 ab 17.00 Uhr statt. Am Sonntag und Montag dann machen die „Wege durch das Land“ Station auf Gut Geissel.  Die Gäste dieses bekannten Literatur- und Musikfestes werden dann noch einmal Gelegenheit bekommen, die Kunstobjekte in der Galerie im umgebauten Pferdestall zu besichtigen.

Galeristin Marita Petermeier-Schnieders, Fotograf FJ Hering, Schmuck und Gefäß  Künstlerin Astrid Keller und Galeristin Anne Geissel Foto: Josef Schnieders
Galeristin Marita Petermeier-Schnieders, Fotograf FJ Hering, Schmuck- und Gefäßkünstlerin Astrid Keller und Galeristin Anne Geissel. Foto: Josef Schnieders

 

In „Notizen aus Afrika“ dokumentiert der Fotograf FJ Hering seine ganz persönlichen Begegnungen mit dem afrikanischen Kontinent. Seiner Faszination und der Liebe zur afrikanischen Wildnis mit ihren entlosen Weiten und ihrer beeindruckenden Tierwelt verleiht er euch seine Fotografien Ausdruck. Die Bilder ziehen den Betrachter in ihren Bann und nehmen ihn mit auf eine einzigartige Reise.

Der archaische Reiz Afrikas wird durch die in Sepia getönten Schwarzweiß-Fotografien noch verstärkt.
Der archaische Reiz Afrikas wird durch die in Sepia getönten Schwarzweiß-Fotografien noch verstärkt.

 

Ihre experimentellen Werke sind von subtiler Schönheit und faszinierender Anziehungskraft. In ihrem künstlerischen Schaffen lotet die Keramikerin Gabriella Picci alle Möglichkeiten aus, den Ton zu formen. Form, Farbe und Oberfläche wollen ständig neu erfunden werden.

Inspiriert von der Unterwasserwelt: Gefäß von Gabriella Picci
Inspiriert von der Unterwasserwelt: Gefäß von Gabriella Picci

 

Die Künstlerin Astrid Keller, die wie kaum eine andere die Möglichkeiten der Bearbeitung von Edelmetallen kennt, sucht instinktiv und mit sensiblem Gespür nach neuen Erfahrungen und Techniken. Ihre Schmuckstücke und Gefäße sind von unbekannter, mysteriöser Schönheit und drängen nicht nach lauter Aufmerksamkeit.

Astrid Keller verwendet für ihre Oberflächen alle Grauschattierungen bis hin zum klaren Weiß.
Astrid Keller verwendet für ihre Oberflächen alle Grauschattierungen bis hin zum klaren Weiß.

 

Gut Geissel
Jagdweg 215
33449 Langenberg

Wichtig: Um Gut Geissel problemlos zu erreichen, folgende Eingabe fürs Navigationssystem:  Rietberg, Brockstraße 16 und der Beschilderung folgen. Bei Eingabe Jagdweg führt die Navigation über den historischen „Knüppeldamm“, der momentan wegen des vielen Regens aufgeweicht ist und nur schwer zu befahren ist.

Fotos der Kunstwerke: www.formfuersorge.de

Wo fließt das Wasser des Lebens?

Wege durch das Land zu Gast auf Gut Geissel

Der alte, schon im 13. Jahrhundert erwähnte Schultenhof Geissel erhielt sein jetziges Aussehen im Königreich Westphalen, als er zum Amtssitz ‹Maximilian-Commune-Mairie› wurde und Johann Maximilian Geissel die westfälischen Fachwerkgebäude durch ein französisch anmutendes kleines Maison de Maitre erweiterte. Das war eine kurze Zwischenzeit nach der blutigen Französischen Revolution und vor der Restauration, in der es durchaus vereinzelt Aufstände gegen die napoleonische Herrschaft gab, andererseits jedoch wichtige Freiheitsrechte und Verwaltungsreformen eingeleitet wurden. Johann Maximilian Geissel als Maire profitierte von diesen Umständen.

Gut Geissel Living in OWL

Pierre Michon hat ein faszinierendes Buch über ‹Die Elf›, den Wohlfahrtsausschuß der Französischen Revolution geschrieben, so kunstvoll verknüpft er historische Fakten und Fiktion, so eindringlich macht er ein nicht existentes Gemälde mit Worten bildhaft und immer fragt er: warum mußte es zur Katastrophe kommen und warum waren daran gerade Künstler beteiligt. Heinrich Heine schreibt 1830: ‹Richelieu, Robespierre und Rothschild sind die drei furchtbarsten Nivelleurs Europas› und ‹es drängte sich mir die Bemerkung auf, daß diese drei größten Terroristen noch mancherlei andere Ähnlichkeiten bieten.›

Eva Mattes, Hans Kremer, Amandine Beyer, Laurence Beyer
Eva Mattes, Hans Kremer, Amandine Beyer, Laurence Beyer

Hans Kremer, ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären, an vielen Bühnen zu Hause, seit 2012 an den Münchner Kammerspielen, liest Pierre Michons Novelle. Eva Mattes ist mit Heinrich Heines ‹höchst humoristisches Reise-Epos› zu hören, in dem er die Rückständigkeit Deutschlands anklagt. Eva Mattes hat in über 200 Kinofilmen, Fernsehfilmen, Theaterinszenierungen in Haupt- und Nebenrollen gespielt und wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Amandine Beyer hat sich als Barockgeigerin international einen Namen gemacht. Ihre Bach- und Vivaldi-Einspielungen werden von der Kritik gefeiert und wurden vielfach ausgezeichnet. Sie musiziert mit namhaften Gruppen wie Mala Punica, Al Ayre Español, La Fenice oder Ensemble 415 und spielt seit 2005 regelmäßig mit Pierre Hantaï – als Duo – oder mit Le Concert Français sowie mit ihrer Schwester, der Pianistin Laurence Beyer

Wege durch das Land auf Gut Geissel
Sonntag, 6. Juli 2014 um 11.30 Uhr und 18.00 Uhr
Montag, 7. Juli 2014 um 19.00 Uhr

Gut Geissel
Jagdweg 215
33449 Langenberg

Wichtig: Um Gut Geissel problemlos zu erreichen, folgende Eingabe fürs Navigationssystem:  Rietberg, Brockstraße 16 und der Beschilderung folgen. Bei Eingabe Jagdweg führt die Navigation über den historischen „Knüppeldamm“, der momentan wegen des vielen Regens aufgeweicht ist und nur schwer zu befahren ist.

Vernissage auf Gut Geissel ein voller Erfolg

Am 24. August 2013 wurde die neue Galerie auf Gut Geissel eröffnet. Die Künstler waren anwesend: von links nach rechts: Schmuckdesigner Gian Luca Bartellone, Keramiker André von Martens, Hausherrin und Galeriebesitzerin Anne Geissel, Organisatorin Marita Petermeier-Schnieders, Malerin Kaiko Koana.

Geissel 1 Living in OWL

Susanne Mittag, Bürgermeisterin von Langenberg und Sissi Fürstin zu Bentheim Tecklenburg sprechen einige Grußworte.

Geissel 2 Living in OWL

Malerische Kulisse für die schönen Künste.

Geissel 3 Living in OWL

Schwarzkeramik von André von Martens unter dem Dach des renovierten Pferdestalls.

Geissel  Living in  OWL

Extravagante Zusammenstellung von Malerei und Keramik.

Geissel 5 Living in OWL

Diese erste Ausstellung der neu eröffneten Galerie ist noch bis Sonntag, den 1. September 2013 zu sehen. Geöffnet ist täglich von 16 bis 21 Uhr. Beginn der Finnissage am Sonntag um 16 Uhr.

Gut Geissel
Jagdweg 215
33449 Langenberg

Fotos: Waldemar Kerschbaumer

Neue Galerie eröffnet auf Gut Geissel

Freunde von „Wege durch das Land“ kennen das Langenberger Gut Geissel. In stimmungsvoller Kulisse fanden hier schon Lesungen und Konzerte statt.

Hausherrin Anne Geissel hatte die Idee, im ehemaligen Pferdestall des Gutes eine Galerie zu eröffnen, wo Malerei, Bildhauerei, Objektkunst und Schmuck ausgestellt werden sollen. Die Vision nahm Gestalt an. Mit Unterstützung ihres Mannes und ihrer Freundin Marita Petermeier-Schnieders wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Privatinitiative renoviert und wird nun am 24. August 2013 die ersten Kunstwerke zeigen.

Da sind zunächst einmal die mehrfach ausgezeichneten Schmuckkreationen von Gian Luca Bartellone:

Aparte Kette
Aparte Kette

Für ihn entspringt Schmuck dem Bedürfnis nach Einzigartigkeit. Seine ornamentalen Objekte für den menschlichen Körper nennt er daher Bodyfurnitures. Jedes seiner aufwändigen Schmuckstücke ist eine Kreation aus verschiedenartigen Elementen und Materialien, die eine enge Beziehung miteinander eingehen. Geometrische Linien fließen mit natürlichen Farben von Schmucksteinen und Emaille zusammen. In die Vielfalt der Materialien reihen sich antike Stoffe sowie wertvolle Seide. Die einzigartige Kombination von Farbgebung und Materialwahl verleiht den edlen Unikaten eine besondere Note, die durch ihre Leichtigkeit überrascht.

Künstlerische Ohrhänger
Künstlerische Ohrhänger

Der in der Niederlausitz lebende Keramiker André von Martens erlernte das Töpferhandwerk bei Hedwig Bollhagen in Marwitz. Seine persönliche Leidenschaft gilt der Schwarzkeramik. Die Arbeiten bestechen durch eine klare, archaische Formgebung und die tiefe Liebe zum Detail. Dabei bilden Form und Farbe der Gefäße gemeinsam mit der Oberflächengestaltung und dem Klang eine Einheit. Seine Werke erzeugen Spannung und erscheinen gleichzeitig ruhig, zurückhaltend und würdevoll. Wichtig ist von Martens die Magie, die seinen Objekten eine Seele verleiht und den Betrachter nachhaltig berührt.

Schwarzkeramik von André von Martens
Schwarzkeramik von André von Martens

In Anspielung auf ihre kulturelle Heimat Japan, besinnt sich Keiko Koana in ihren aktuellen Werken auf traditionelle Techniken. Sie arbeitet mit Aquarell und wasserlöslichen Acrylfarben, die sie auf mit Papier bespannte Holzkästen aufträgt. Grundlage ihres Arbeitsprozesses ist der erste Farbauftrag und dessen bildliche Setzung auf dem Papier.

Keiko Koana
Keiko Koana

Von dort folgt Koana ihren intuitiven Impulsen. Die Künstlerin lässt die extrem dünnflüssigen Farben über die Bildoberfläche fließen. Die Reaktion der verflüssigten Farbaufträge und ihre Wirkung werden stark von äußeren Faktoren, wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflusst. Es entstehen einmalige Momentaufnahmen abstrakter und vielschichtiger Landschaften, in denen transparente Farbaufträge mit stärker deckenden Nuancen wechseln. Dem Betrachter bleibt ein zarter, träumerischer, zum Teil ätherischer Eindruck.

Aquarell von Keiko Koana
Aquarell von Keiko Koana

Anne Geissel und Marita Petermeier-Schnieders freuen sich auf zahlreiche kunstinteressierte Besucher.

Gut Geissel
Jagdweg 215
33449 Langenberg

„Wege durch das Land“ auf Gut Geissel

Kornblumen in Überfülle säumen die Kornfelder

Nirgends wohl auf den „Wegen durch das Land“ vermittelt ein Ort schon bei der Anfahrt auf schmalen mäandernden Wegen durch blaublumig gesäumte Kornfelder, Hecken und Wege unter den vielen grandiosen Anmutungen der Schlösser, Wasserburgen und historischen Stätten so viel Landlust, ländliche Intimität und Nähe wie die in elfter Generation im Besitz der Familie Geissel befindliche Hofanlage bei Langenberg.  Gestern Abend nun genoss eine an Zahl überschaubare „Menge“ Literatur- und Musikinteressierter eine wahre „Landpartie“. Im ersten Teil Katharina Hackers Lesung aus ihrem Buch „Dorfgeschichten“ und „Überlandleitungen“, einer Sammlung von Gedichten in klarer. schnörkelloser Sprache.

Bücher, aus denen auf Gut Geissel gelesen wurde
Matthias Brandt und Katharina Hacker

Man fühlte sich einfach wohl in der fast familiären Atmosphäre, bewunderte den schwarzen Hofhund, der freundlich wedelnd von langem Tisch zu Tisch ging, lachte über die Situationen, die manchmal kippelnde Sitzbänke verursachten und war erstaunt über einen der noch jungen Söhne der Familie Geissel. Hatte der wirklich noch junge „Mann“ doch neulich mit dem Trecker Mitarbeiter eines Stromkonzerns aus dem Graben gezogen, in den sie nahe dem Gut gebrettert waren. Kein Wunder, dass der mit dem Grimme-Preis, Bambi, Deutschem Hörbuchpreis, Bayerischem Fernsehpreis und der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnete Schauspieler Matthias Brandt sichtlich vergnügt-entspannt über den Innenhof schlenderte und nach der Pause locker seine Lesung begann.

Pause bei „Wege durch das Land“ auf Gut Geissel

Wahre Lachsalven erntete der Vorleser auf dem Podium der eng bestuhlten Deele mit den Schilderungen „der Droste“ von Münsterländern, Paderbornern und Sauerländern:

In den „Schilderungen“ der Droste kommen die Münsterländer ausgesprochen günstig weg. Die Menschen des Sauerlandes und des Märkischen Landes hingegen kritisiert sie als kühl berechnend und ehrgeizig, als aufgeklärt und in Dingen der Moral und des Glaubens als gleichgültig oder lasch.

Am schärfsten ging die Droste mit dem Paderborner Land ins Gericht. Sie kannte Land und Leute durch die Familie ihrer Mutter, die aus dem einflußreichen Paderborner Adelsgeschlecht von Haxthausen stammte.

Die Menschen seien verschlagen, listig, dem Alkohol ergeben und „in ihrer Verwahrlosung dem Aberglauben zugeneigt“, urteilt die Dichterin über die Bevölkerung des Paderborner Landes. An anderer Stelle schreibt sie: jeder Groschen, den der Münsterländer sorglich zurücklegen, der Sauerländer in irgend ein Geschäft stecken würde, wird hier“ – im Paderborner Land – „am liebsten von dem Kind der Armuth sofort dem Wirthe und Kleinhändler zugetragen, und die Schenken sind meist gefüllt mit Glückseligen, die sich einen oder ein paar blaue Montage machen, um nachher wieder auf die alte Weise fort zu hungern und taglöhnern. „Aus diesem Grund, so die Droste, wohnten die Bauern im Paderborner Land nicht auf stolzen Höfen wie im Münsterland, sondern in „Baracken“.

Nicht Annette von Droste-Hülshoff spielte im zweiten Teil der Brandtschen Lesung eine Rolle sondern des Fotografen Heinrich Hausers Schilderungen aus und über das Ruhrgebiet Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu seinen ausdrucksstarken schwarzweiß-Fotografien aus diesem Kohle- und Stahlteil Westfalens  entwarf er starke verbale Bilder vom Übergang der bäuerlich-westfälischen Landschaft zur industriellen zwischen Lippe und Ruhr, die Brandt ausdrucksstark vermittelte:

„Wenn ich ein Dichter wäre, dann würde ich die Walzwerkmänner besingen. Sie geben die dichteste Leistung her, die ein Mensch geben kann“.

Ausgezeichnet mit dem Echo Klassik: Das Auryn Quartett

Musikalisch umrahmt und ausgestaltet wurde die Veranstaltung vom Auryn Quartett mit Matthias Langfelder (Violine), Jens Oppermann(Violine), Stewart Eaton (Viola) und Andreas Arndt (Violoncello). Eine kleine Sensation gelang den Musikern mit der Fast-Erstaufführung eines Streichquartetts von Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff nach einer in Brüssel aufbewahrten Handschrift. Von dessen Förderer Josef Haydn gab die mit vielen Preisen ausgezeichnete Auryn-Gruppe ebenfalls ein Streichquartett.

Nur so nebenbei angemerkt: Als der Abendhimmel sanft in die Mainacht überging zogen von Wiedenbrück kommend mehrere Heißluftballons ganz langsam ihre Bahn über dem romantischen Gut Geissel.

Fahrende Ballone über Gut Geissel

Unterstützt wurde diese Veranstaltung des Literatur & Musikfestes Ostwestfalen-Lippe von Bertelsmann. In diesen Minuten wird sie wegen des großen Interesses wiederholt.

Gut Geissel bei Langenberg