Droste-Tage auf Burg Hülshoff

Havixbeck. Die Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung veranstaltet vom 18. bis 20. Juli auf Burg Hülshoff bei Havixbeck (Kreis Coesfeld) die ersten Droste-Tage. Die berühmte Dichterin (1797-1848) wird im Spiegel der Gegenwartskunst betrachtet: Im Rahmen einer szenischen Lesung und eines Konzerts wird das Werk von Annette von Droste-Hülshoff aus Sicht heutiger Künstler neu betrachtet. Das Publikum erlebt mehrere Uraufführungen, und als besonderer Ort wird erstmals die Vorburg von Burg Hülshoff bespielt. Der Kartenvorverkauf hat begonnen.

Burg Hülshoff
Burg Hülshoff

Das Programm
Am Freitag und Samstag (18. und 19.7.) wird jeweils um 20 Uhr in der Vorburg von Burg Hülshoff die szenische Lesung „Du bist nicht ich“. Ein literarisches Zwiegespräch. Annette von Droste-Hülshoff und Judith Kuckart aufgeführt. Die Annette-von-Droste-Hülshoff-Preisträgerin Judith Kuckart stellt eigene Texte ausgewählten Gedichten, Prosatexten und Briefen der Droste gegenüber. Das gemeinsame Thema der Texte ist die Sehnsucht nach Heimat, nach Geborgenheit in der westfälischen Landschaft und bei ihren Menschen. Es entsteht ein Gespräch über die Zeiten hinweg, das den Zuhörer auffordert, jenseits der Zeitgebundenheit der Texte die Gemeinsamkeit der Gedanken und Gefühle zu entdecken.
Mitwirkende sind Kirsten Hartung (Sprecherin 1/Klavier), Helene Grass (Sprecherin 2/Akkordeon) und Judith Kuckart.

Am Sonntag (20.7.) findet auf dem Vorplatz der Vorburg das Hülshoffer Sommerkonzert unter freiem Himmel statt. Das Cello-Quartett „Le Cerf“ der Hochschule für Musik Detmold (Klasse Prof. Xenia Jankovic) und die Mezzosopranistin Rebecca Blanz (Hochschule für Musik Detmold, Klasse Prof. Markus Köhler) sind mit einem Programm zu hören, das einen weiten Bogen spannt. So werden unter anderem Werke von Mahler, Schubert und Tschaikowsky in Bearbeitung für Gesang und Cello-Quartett gegeben.

Außerdem hält der Abend zwei besondere Höhepunkte bereit: Die Uraufführung der Neuvertonungen des bekannten Droste-Gedichts „Der Weiher“ und des Gedichts „Schöner See Wasseraug“ von Sarah Kirsch. Der Komponist und Dirigent Matthias Bonitz führt durch das Programm.

Bei unzureichenden Wetterbedingungen wird das Konzert in die Vorburg verlegt.

Büste Annette von Droste zu Hülshoff
Büste Annette von Droste-Hülshoff

Die Karten für eine Veranstaltung kosten jeweils 18 Euro (ermäßigt 13 Euro) und sind ab sofort erhältlich. Bestellungen werden telefonisch unter 02534 / 1052, per E-Mail (Tickets@burg-huelshoff.de) oder schriftlich (Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, Schonebeck 6, 48329 Havixbeck) entgegen genommen. Karten können innerhalb der regulären Öffnungszeiten auch an den Museumskassen von Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus in Münster erworben werden.

Kontakt:
Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, Schonebeck 6, 48329 Havixbeck
Tel. 02534 / 1052, E-Mail: info@burg-huelshoff.de
http://www.burg-huelshoff.de

Fotos: AvD-Stiftung/Humberg

An meine Mutter

Garten Dekoration Tisch Blumen

So gern hätt‘ ich ein schönes Lied gemacht
Von Deiner Liebe, deiner treuen Weise;
Die Gabe, die für andre immer wacht,
Hätt‘ ich so gern geweckt zu deinem Preise.
Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluten wallten darüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
Von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin:
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen!

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848)

Foto: Fotolia

Auch die Droste kurte hier

Droste-Haus im Gräflichen Park

Eines der viel fotografierten Motive im Gräflichen Park von Bad Driburg ist dieses „Droste-Haus“. Benannt nach der westfälischen Dichterin. Annette von Droste-Hülshoff verbrachte hier in den Jahren 1816, 1818 und 1819 erholsame Kuraufenthalte. An sie erinnert dieses Logierhaus, in dem sich heute Hotelzimmer befinden.

Auch damals schon „Living in OWL“ …

die brennende Liebe auch – Wege durch das Land auf Schloß Wehrden

Schloß Wehrden (Foto: Wege durch das Land)
Schloß Wehrden (Foto: Wege durch das Land)

Am 20. Juli 2013 gastiert das ostwestfälisch-lippische Literatur- und Musikfestival Wege durch das Land auf Schloß Wehrden im Alten Schafstall.

„Ich wollte mich mit Euch Allen mahl recht aussprechen, auf meinem lieben Thurme sitzen, an der Weser spatzieren und Steine klopfen“, schrieb Annette von Droste-Hülshoff an ihre Tante Dorothea von Metternich, bei der sich die Dichterin wiederholt zu Besuchen aufhielt. Der zinnenbesetzte Turm setzt einen besonderen Akzent innerhalb der barocken Schloßanlage. Der Paderborner Fürstbischof Hermann-Werner Freiherr von Wolff-Metternich erwarb 1695 den von Gräften umgebenen Landdrostenhof in Wehrden aus dem 16. Jahrhundert und ließ ihn ansprechend umbauen: Stuckbalken und Deckengemälde, Gobelinzimmer, Ledertapetensalon und die fürstliche Bibliothek sind Raritäten.

Ulrike Draesner (Foto: Jürgen Bauer)
Ulrike Draesner (Foto: Jürgen Bauer)

Ulrike Draesner ist eine außergewöhnliche Schriftstellerin, die komplex verwobene Geschichten mit vielen Anspielungen, intelligent, berührend, überraschend, verfaßt. Sie wurde u. a. mit dem Hölderlin-Förderpreis, dem Droste-Preis sowie dem Literaturpreis Solothurn ausgezeichnet. In ihrer Lesung geht sie dem Sprachzauber der Droste-Lyrik nach.

Wer im vergangenen Jahr Corinna Harfouch am prasselnden Kaminfeuer Gedichte von Annette von Droste-Hülshoff lesen hörte, spürte, wie nah uns diese Dichterin ist, die ihre Sehnsüchte und Träume, ihren Wunsch nach Freiheit in ihre Verse einschrieb. Das Interesse an Geschichte, Geologie, Naturwissenschaft oder Politik, dies alles fließt in ihre vielschichtigen Gedichte, wie natürlich immer die brennende Liebe auch. Corinna Harfouch liest ihre Lieblingsgedichte, Johannes Gwisdek begleitet sie mit Melodien, Klängen und irisierenden Tönen. Er komponiert, produziert und experimentiert für Theater, Filme, Stummfilmabende und den Hip-Hop-Act ‹kÄptn Peng›.

„Kennen Sie die Gedichte der Freiin von Droste-Hülshoff? Sie scheinen mir höchst ausgezeichnet“, fragte Robert Schumann den dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen. Zwei Gedichte hat der Komponist vertont, sie sollte ihm ein Opernlibretto liefern, doch schlug sie diese Arbeit aus. Im Haus der Droste spielte man Kompositionen von Joseph Haydn, Clara und Robert Schumann besonders gerne. Matan Porat widmet sich zwei Leidenschaften, dem Klavierspielen und dem Komponieren. Als Solist konzertiert er u. a. mit dem Chicago Symphony Orchestra und den großen Symphonieorchestern Israels, seine Komposition ‹Lux Aeterna› erhielt 2011 den ECHO Klassik-Preis.

Samstag, 20 Juli 2013 um 18.00 Uhr

Schloß Wehrden
Schloßhof
37688 Beverungen

Zwischen Bad Driburg und Höxter: Brakel

Kleine Hansestadt Brakel

Hansestädte gibt es in Ostwestfalen-Lippe viele. Auch Brakel gehört dazu. Das kleine Städtchen zwischen Bad Driburg und Höxter ist aber aus einem anderen Grund bekannt: in Bökendorf gibt es die bekannte Freilichtbühne, die von vielen bekannten Denkern und Schriftstellern besucht wurde, nachdem sich auf dem Adelssitz Bökerhof der „Bökendorfer Romantikerkreis“ gegründet hatte. Annette von Droste-Hülshoff – Enkelin der Hausherrin – war ebenso dabei wie die Brüder Grimm, die hier viele Märchen aufgeschrieben haben. Recht sehenswert in dem Schlößchen ein Museum, das sich mit der Geschichte der Bökendorfer Dichter befasst.

„Wege durch das Land“ auf Gut Geissel

Kornblumen in Überfülle säumen die Kornfelder

Nirgends wohl auf den „Wegen durch das Land“ vermittelt ein Ort schon bei der Anfahrt auf schmalen mäandernden Wegen durch blaublumig gesäumte Kornfelder, Hecken und Wege unter den vielen grandiosen Anmutungen der Schlösser, Wasserburgen und historischen Stätten so viel Landlust, ländliche Intimität und Nähe wie die in elfter Generation im Besitz der Familie Geissel befindliche Hofanlage bei Langenberg.  Gestern Abend nun genoss eine an Zahl überschaubare „Menge“ Literatur- und Musikinteressierter eine wahre „Landpartie“. Im ersten Teil Katharina Hackers Lesung aus ihrem Buch „Dorfgeschichten“ und „Überlandleitungen“, einer Sammlung von Gedichten in klarer. schnörkelloser Sprache.

Bücher, aus denen auf Gut Geissel gelesen wurde
Matthias Brandt und Katharina Hacker

Man fühlte sich einfach wohl in der fast familiären Atmosphäre, bewunderte den schwarzen Hofhund, der freundlich wedelnd von langem Tisch zu Tisch ging, lachte über die Situationen, die manchmal kippelnde Sitzbänke verursachten und war erstaunt über einen der noch jungen Söhne der Familie Geissel. Hatte der wirklich noch junge „Mann“ doch neulich mit dem Trecker Mitarbeiter eines Stromkonzerns aus dem Graben gezogen, in den sie nahe dem Gut gebrettert waren. Kein Wunder, dass der mit dem Grimme-Preis, Bambi, Deutschem Hörbuchpreis, Bayerischem Fernsehpreis und der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnete Schauspieler Matthias Brandt sichtlich vergnügt-entspannt über den Innenhof schlenderte und nach der Pause locker seine Lesung begann.

Pause bei „Wege durch das Land“ auf Gut Geissel

Wahre Lachsalven erntete der Vorleser auf dem Podium der eng bestuhlten Deele mit den Schilderungen „der Droste“ von Münsterländern, Paderbornern und Sauerländern:

In den „Schilderungen“ der Droste kommen die Münsterländer ausgesprochen günstig weg. Die Menschen des Sauerlandes und des Märkischen Landes hingegen kritisiert sie als kühl berechnend und ehrgeizig, als aufgeklärt und in Dingen der Moral und des Glaubens als gleichgültig oder lasch.

Am schärfsten ging die Droste mit dem Paderborner Land ins Gericht. Sie kannte Land und Leute durch die Familie ihrer Mutter, die aus dem einflußreichen Paderborner Adelsgeschlecht von Haxthausen stammte.

Die Menschen seien verschlagen, listig, dem Alkohol ergeben und „in ihrer Verwahrlosung dem Aberglauben zugeneigt“, urteilt die Dichterin über die Bevölkerung des Paderborner Landes. An anderer Stelle schreibt sie: jeder Groschen, den der Münsterländer sorglich zurücklegen, der Sauerländer in irgend ein Geschäft stecken würde, wird hier“ – im Paderborner Land – „am liebsten von dem Kind der Armuth sofort dem Wirthe und Kleinhändler zugetragen, und die Schenken sind meist gefüllt mit Glückseligen, die sich einen oder ein paar blaue Montage machen, um nachher wieder auf die alte Weise fort zu hungern und taglöhnern. „Aus diesem Grund, so die Droste, wohnten die Bauern im Paderborner Land nicht auf stolzen Höfen wie im Münsterland, sondern in „Baracken“.

Nicht Annette von Droste-Hülshoff spielte im zweiten Teil der Brandtschen Lesung eine Rolle sondern des Fotografen Heinrich Hausers Schilderungen aus und über das Ruhrgebiet Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu seinen ausdrucksstarken schwarzweiß-Fotografien aus diesem Kohle- und Stahlteil Westfalens  entwarf er starke verbale Bilder vom Übergang der bäuerlich-westfälischen Landschaft zur industriellen zwischen Lippe und Ruhr, die Brandt ausdrucksstark vermittelte:

„Wenn ich ein Dichter wäre, dann würde ich die Walzwerkmänner besingen. Sie geben die dichteste Leistung her, die ein Mensch geben kann“.

Ausgezeichnet mit dem Echo Klassik: Das Auryn Quartett

Musikalisch umrahmt und ausgestaltet wurde die Veranstaltung vom Auryn Quartett mit Matthias Langfelder (Violine), Jens Oppermann(Violine), Stewart Eaton (Viola) und Andreas Arndt (Violoncello). Eine kleine Sensation gelang den Musikern mit der Fast-Erstaufführung eines Streichquartetts von Maximilian Friedrich von Droste-Hülshoff nach einer in Brüssel aufbewahrten Handschrift. Von dessen Förderer Josef Haydn gab die mit vielen Preisen ausgezeichnete Auryn-Gruppe ebenfalls ein Streichquartett.

Nur so nebenbei angemerkt: Als der Abendhimmel sanft in die Mainacht überging zogen von Wiedenbrück kommend mehrere Heißluftballons ganz langsam ihre Bahn über dem romantischen Gut Geissel.

Fahrende Ballone über Gut Geissel

Unterstützt wurde diese Veranstaltung des Literatur & Musikfestes Ostwestfalen-Lippe von Bertelsmann. In diesen Minuten wird sie wegen des großen Interesses wiederholt.

Gut Geissel bei Langenberg

Gestern „Polizeiruf 110“. Ende Mai hier: Matthias Brandt

Matthias Brandt als Kommissar in "Polizeiruf 110"

Der Schauspieler Matthias Brandt mag diese  leicht verstörenden Rollen, diese „etwas anderen Charaktere“. Wie gestern Abend als Kommissar Hanns von Meuffel in einem „Polizeiruf 110“ aus dem tiefen Süden Deutschlands. Am 27. Mai (18 Uhr) und 28. Mai (11.30 Uhr) liest er im Rahmen von „Wege durch das Land“ auf Gut Geissel bei Langenberg „Die alte und die neue Landschaft“ von Annette von Droste-Hülshoff und Heinrich Hauser. Die Schriftstellerin Katharina Hacker wird zu hören sein mit einem Erinnerungsporträt des Dorfes ihrer Kindheit. Musikalisch wird das Auryn Quartett Haydn geben.

Auch Annette kurte in Bad Driburg

Wo auch Annette von Droste-Hülshoff kurte

Eines der viel fotografierten Motive im Gräflichen Park von Bad Driburg ist dieses „Droste-Haus“. Benannt nach der westfälischen Dichterin. Annette von Droste-Hülshoff verbrachte in den Jahren 1816, 1818 und 1819 erholsame Kuraufenthalte. An sie erinnert heute noch dieses Logierhaus, in dem sich heute Hotelzimmer befinden. Auch damals schon wußten sie, was „Living in OWL“ bedeuten kann…

Droste-Hülshoff-Stimmung

Die Nebel ziehen. Jetzt kommt Annettes Zeit

Annette von Droste-Hülshoff und ihre „Nebel“, die „Judenbuche“ und die „Vergeltung“  sind wohl an keinem Schüler deutscher Sprache vorbeigegangen. Was gruselten wir uns beim „Knaben im Moor“, litten mit und viele von uns werden bis heute bei dem Gedanken, dem benachbarten Münsterland und Burg Hülshoff bei Münster so nahe zu sein schaudern. Hier in Ostwestfalen-Lippe haben wir durchaus Landstriche, die „der Droste“ als Collage ihrer Balladen hätten dienen können.

Zieht Droste Berliner Buletten vor?

Zieht der Herforder Wiglaf Droste Berliner Buletten vor?

1961 kam er in Herford zur Welt und wurde zu einer der schärfsten schrift- stellernden Zungen,  die Deutschland heute hat. Leider ist dieses  – heute Berliner – Kind Ostwestfalen-Lippes zu selten in unserer Region, um aus seinen Büchern „z.B. Auf sie mit Idyll“ vorzutragen. Da bleibt uns ja nur das genüßliche Blättern in Stevan Pauls wunderschönem Food-Blog „NutriCulinary„. Der hat da nämlich mal über eine Lesung in Hamburg geschrieben, als „der Droste“  in bester ostwestfälischer Satirik über die „Bionade-Biedermeister“ aus seinem Buch vortrug. Bionade gehört bekanntlich zum Bielefelder Food/Seefahrt/Bier/Hotel/Sekt-usw.-Riesen Dr. Oetker. Da hätten die Leute längs des Ostwestfalen-Dammes durchaus heftig was zu Lachen gehabt.  Der Wiglaf, der Droste, legt aber Wert darauf, nicht verwandt und verschwägert mit der münsterländischen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zu sein. Obwohl man das ja in Ostwestfalen-Lippe nicht immer so genau weiß. Bei dem geballten Schelmentum hier mit seiner Comedian-Dichte.

Ergänzung: Also, der Droste ist ja einer. Liest der doch glatt Samstagabend ab 19.30 Uhr mit Harry Rowohlt (Lindenstraße. Dämmerts?) , ab 19.30 Uhr auf dem Kulturgut Haus Nottbeck, bei Oelde, „Nottbeck City Limits # 1“. Na gut. Ist aber nicht Ostwestfalen-Lippe sondern Münsterland.