Geld für’s Nichtstun, lohnt sich Leistung? (Folge 4)

Das bedingungslose Grundeinkommen – Utopie, Vision oder Schnapsidee?

In dieser mehrteiligen Reihe berichtet Michael Krakow in livinginowl vom Zustand unserer heutigen Gesellschaft und über Ressourcenverteilung in Deutschland. Er analysiert, wie zukunftsfest unser Land tatsächlich aufgestellt ist und erläutert die Möglichkeiten einer stabilen Existenzgrundlage für alle BürgerInnen.

Michael Krakow ist Berater, Honorardozent und Autor.
Er lebt in Detmold und widmet sich regelmäßig
gesellschaftspolitischen Fragestellungen.
Kontakt: www.mikrakom.de

Folge 4

Niemand wird noch arbeiten! Wer soll das bezahlen?

Mit wachsendem Geld schwindet des Menschen Lust, tätig zu sein. Reiche Menschen sind entsetzlich faul, antriebslos, unmotiviert, verbringen ihre Tage auf dem heimischen Sofa und vertändeln ihre Zeit. Blödsinn? Nun, ich führe nur eines von den beiden Hauptargumenten gedanklich weiter, gegen die das BGE zu bestehen hat. Es lautet: Geben wir jedem Menschen ohne Bedingungen eine überschaubare Summe Geldes, so wird niemand mehr arbeiten. Nach dieser Logik arbeitet keiner mehr, der bereits mehr als genug zum Leben hat, ergo betreiben alle Reichen ausschließlich Müßiggang.

Die Realität indes sieht anders aus, auch sehr wohlhabende Leute arbeiten weiter, sehr häufig in nicht zu wenig ihrer täglichen Zeit. Aus welchen Antrieb tun sie das? Sind sie womöglich preußischer im Gemüt als der Plebs ohne hinreichend gedecktes Konto? Kaum haltbar, diese These. Falls aber doch, dann lasst uns einfach alle Bürger mit Finanzmitteln versorgen, wenn mit dem Geld automatisch Strebsamkeit und Fleiß entstehen. Sie merken, die Katze dieser Argumentation beißt sich in ihren dürren Schwanz. So mag es arg verwundern, weshalb sich diese pessimistische, beinahe schon misanthrope Sicht auf des Menschen Antriebskräfte noch immer so hartnäckig hält. Selten ist etwas wissenschaftlich so akribisch widerlegt worden wie die für notwendig gehaltene extrinische Aktivierungsmotivation durch Geld. Es ist unmöglich, all die Forschungsarbeiten, Studien, Analysen und Experimente in der Beschränktheit dieses Textraumes zu aufzuzählen, die das zementhart belegen. Vier seien dennoch exemplarisch hier herausgestellt:

  • Die Meta-Analyse des Teams von Tim Judge von 2013 zum Beispiel fasst die Ergebnisse aus 120 Jahren diesbezüglicher Forschung in 92 quantitativen Studien zusammen mit insgesamt beeindruckenden 115 Korrelationskoeffizienten.
  • Die berühmte Gallup-Studie untersuchte den Antrieb von nicht weniger als 1,4 Millionen Arbeitnehmern in 34 Ländern.
  • Die Studienauswertung von Edward Deci und seinen Kollegen umfasst 128 kontrollierte Experimente.
  • Doch auch die Agentur für Arbeit selbst untersuchte im eigenen Haus intensiv die Motivation ihrer Kundschaft, sprich den Erwerbslosen. Ergebnis: Erschreckende 27,55% ihrer Klientel sind Kinder, verblieben nachvollziehbarer Weise bei dieser Untersuchung unbewertet, weil Kinderarbeit nicht mehr Usus ist. 29,3% der Leistungsbezieher sind Aufstocker, die jeden Tag arbeiten gehen, jedoch davon nicht leben können, weshalb der Staat die fehlende Differenz ergänzt. Wäre diesen Menschen die Lohnzahlung die maßgebliche Antriebsquelle, sie blieben schlicht daheim, denn auf ihren Konto änderte sich dadurch nichts. Sie schuften trotzdem, ihre Gründe dafür können daher wohl kaum im Geld begründet sein. 36,2% der Arbeitsuchenden wird von Seiten des gestrengen Kostenträgers, der es wohl exakter einzuschätzen vermag als jeder andere, eine sehr hohe Motivation bescheinigt. Ein geringerer (keine fehlender!) Antrieb wird schmalen 5,7% attestiert, die Gründe dafür aber gleich mitgeliefert: Gesundheitliche Einschränkungen sowie mangelhafte Aus- und Bildung. Sage und schreibe schlanke 1,25% führt die Agentur für Arbeit letztlich unter dem Label „Verweigerer“. Um diese Minigruppe jedoch wurde ein mächtiger Apparat an Kontrolle, Druck und Sanktionierung errichtet. Schröders vollmundiges Programm „Fördern & Fordern“ hat nur diese 1,25% im Fokus.

Goliath rechnet David seine kleine Schleuder unerbittlich auf seine Bezüge an. Man fühlt sich an „Das Schloss“ von Franz Kafka erinnert, wonach eine Institution, hat sie eine bestimmte Größe erst einmal erreicht, ihr eigentliches Ziel aus den Augen verliert und nur noch dem eigenen Fortbestand sowie Ausdehnung dient. Von diesem Irrsinn soll weiter unten in diesem Text noch die Rede sein. All diese mannigfaltigen Forschungsergebnisse sind eindeutig wie auch durchgängig identisch: Extrinsische Motivation (z.B. hervorgerufen durch Geld oder Angst vor Sanktionierung) ist eine Chimäre, die auch durch stete Wiederholung nicht an Wahrheitsgehalt hinzugewinnt. Alles, was den Anhängern der These „Arbeitsleistung entspringt Geld allein“ angesichts dieser erdrückenden Fülle an belastbaren Fakten bleibt, ist ihr müd-bockiges „Glaub’ ich nicht.“.

Doch neben der Wissenschaft genügt ein Blick auf die alltägliche Wirklichkeit, um erkennen zu können, dass Arbeit und Aufgabenerledigung in erster Linie Sinnerfüllung ist, somit stärkste Quelle unseres Selbstwert- und Dazugehörigkeitsgefühles. 98% der Untersuchten geben folgende Parameter ihrer Motivation zur Arbeit an: Sinnstiftende Aufgaben, Arbeitsklima und -atmosphäre, Wertschätzung, Abwechslung, Transparenz und Eigenverantwortlich. Die Bezahlung ist für lediglich knapp 2% wesentlich. Überraschend, nicht wahr? Mir gegenüber urteilen sehr viele Menschen „Mit einem BGE würde niemand mehr arbeiten!“, worauf ich sie dann jedes Mal frage, was sie selbst denn damit tun würden. Die Antwort ist bislang nicht ein einziges Mal anders gewesen als „Ich würde weiter arbeiten.“. Interessant, wie diszipliniert Menschen sich selbst und wie abwertend, nämlich im Grunde faul, alle anderen einschätzen.

Eine Umfrage des MDR im Mai 2017 ergab, das 98% (!) weiter arbeiten würden, 73% selbstbestimmter leben wollen (Jobwechsel, Bildungsangebote, Selbstständigkeit), 72% würden sparen und 69% wünschen sich mehr Zeit für Familie. Gerade das letzte Ziel sollten wir unbedingt unterstützen, oder?

Wenn der Mensch nur dann Arbeit leistet, wenn man ihm ein Bündel Eurobanknoten wie die Möhre dem Esel vor Augen hält, so haben wir in der Konsequenz dessen 14,3 Millionen Deppen in diesem Land. Diese gewichtige Zahl an Menschen nämlich vollbringt ein Ehrenamt und hat wohl offenkundig noch gar nicht bemerkt, dass sie dafür nicht bezahlt werden. Diese Ehrenamtler, ohne die unser gesellschaftliches Leben kaum mehr funktionieren würde, leisten jährlich gut 4,6 Mrd. Arbeitsstunden mit keiner bis wenig Bezahlung (z.B. Übungsleiterpauschale), was addiert und umgerechnet 3,2 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen entspräche. Gäbe man ihnen für ihre wichtigen Aufgaben den gesetzl. Mindestlohn, so stünde der stolze Betrag von 40,7 Mrd. Euro zur Überweisung an. Wir deklarieren aber nur bezahlte, vertraglich verfestigte Arbeit als Arbeit, was alle Eltern bezüglich ihrer Erziehungsleistung sowie Angehörige von 1,86 Mio. Pflegebedürftigen, die von Verwandten daheim privat versorgt werden, schmerzhaft spüren.

Darin liegt einer unserer Denkfehler. Arbeit ist Arbeit, bemessen an ihrer Wichtigkeit und Ergebnis, losgelöst von der Frage einer ohnehin stetig weniger leistungsgerechten Entlohnung. Wie Götz Werner (Mehrfacher Milliardär und Inhaber der Drogeriemarktkette dm) so treffend bemerkte: „Menschliche Arbeit ist nicht mit Geld aufzuwiegen.“ Angesichts von Ehrenamt, Kindererziehung, Pflegeleistungen sowie dem Umstand, dass die tradierte Arbeitswelt, Stichworte Digitalisierung und Automatisierung, kaum Bestand in seiner heutigen, aus dem zurückliegenden Jahrhundert stammenden Form haben wird, sollten wir schleunigst eine umwälzend neue Definition des Begriffes Arbeit finden sowie eine Anerkennung seiner sich wandelnden Struktur.

Die Arbeitswelt ändert sich gerade rasant und so gewaltig wie seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. Dies zu ignorieren oder zu bagatellisieren oder tradierte Strukturen künstlich am Leben erhalten zu wollen, hielt noch nie eine Entwicklung auf und wird diese erst recht nicht stoppen. Genauso gut könnte man sich auch mit drei löchrigen Sandsäcken und einer brüchigen Schaufel einer Flutwelle entgegenstellen. Dass wir europaweit betrachtet in Deutschland noch immer arg schlechte Internetanbindungen haben, aber den Steinkohlebergbau tapfer subventionieren, scheint mir symptomatisch für die Verweigerung unserer Politik, Veränderungen zu akzeptieren. Retropie bleibt ihr zerfallendes Rezept, an das sie sich verbissen klammern.

Somit sind wir bei Gegenargument Nummer zwei: Wer soll das BGE bezahlen? – Der Staat wird ruckzuck pleite sein! Weil gefühltes Wissen uns selten weiterbringt, verwende ich gern solide Zahlen, Daten und Fakten. Legen wir als Arbeitsthese einmal folgende Annahmen zugrunde: 12 Millionen Minderjährige erhalten über ein BGE Anspruch auf jeweils 500 Euro pro Monat, 70 Millionen Erwachsene auf 1.000 Euro. Unter dem Strich stünde eine Jahressumme von 912 Mrd. Euro, ein respekteinflößender Betrag, ohne Frage. Der Denkfehler jedoch muss umgangen werden, dass es sich dabei um einen Auszahlbetrag handelt, denn im Rahmen einer negativen Einkommenssteuer wird es sich bei allen Steuerzahlern um einen Abrechnungsmodus handeln, der reale Auszahlbetrag wird nicht einmal ein Fünftel betragen (vgl. die nächste Folge dieser Reihe, Nummer 5, Erscheinung kommender Sonntag). 912 Mrd. Euro jedes Jahr, unmöglich, nicht wahr? Halten Sie sich fest, jetzt folgt eine echte Überraschung. Wissen Sie, was wir 2017 insgesamt an staatlichem Sozialleistungstransfer durchführen? 895 Mrd. Euro. Haben Sie das gewußt? Dies bedeutet, wir geben dieses Geld längst aus! Wir reden, abgesehen von einer Differenz von noch fehlenden 18 Mrd., lediglich von einer Umschichtung, einer durchgreifenden Vereinfachung, die sogar massiv Gelder einspart, wie der renommierte (leider vor einigen Wochen verstorbene) Helmut Pelzer in einer detailreichen Studie im Auftrag der Stadt Ulm bewies. Beinahe unzählige Behörden und Ämter prüfen, entscheiden, kontrollieren, verwalten, sanktionieren und korrespondieren werktäglich miteinander über den bunten Strauß von 154 (!) unterschiedlichen Sozialleistungen. Von ALG 1 und 2, über Kinder- und Wohngeld, bis Grundsicherung und BaFöG. Das kostet immens viel Zeit, Aufwand, produziert eine wahre Formularflut und kostet uns grotesk viel Geld. Pro Leistungsempfänger sind dies 1.069 Euro in 2015 gewesen, was einem Gesamtbudget von nicht weniger als 36 Mrd. Euro an Sozialverwaltungskosten entspricht! Im aktuellen Jahr dürfte das kaum weniger geworden sein.

Doch damit längst nicht genug. Rund eine Million Sanktionen wurden im vergangenen Jahr verhängt, was 198.886 einzeln zu prüfender Widersprüche nach sich zog sowie 202.800 Klagen. Die zuständigen Gerichte schwenken längst die weiße Fahne angesichts dieser Prozesswelle. Die Chancen stehen für die Betroffenen übrigens gar nicht schlecht, wenn ihr Verfahren endlich absolviert werden kann, denn 47,8% der Klagen sind erfolgreich zum Vorteil der Kläger. Den MitarbeiterInnen der Jobcenter für ihre fehlerhaften Bescheide jedoch den schwarzen Peter zuzuschieben hieße jedoch, die Falschen zu geißeln. Das System ist von Beginn an marode gewesen, die angeblichen Segnungen der HartzIV-Regelungen (vgl. Hartz, Peter / 2007 verurteilt wegen Spesenmissbrauchs, Prostituiertenabrechnung, Lustreisen) der abgefeierten Agenda 2010 versprechen, wenn man den politischen Vorhang beiseite zieht und die alltäglichen Konsequenzen dahinter betrachtet, was sie nie hielten. Der Kaiser hat gar keine Kleider an, wir sollten nicht länger auf den kleinen Jungen aus dem Märchen warten, der es unbekümmert endlich für uns alle stellvertretend so benennt. Doch auch die Kostenrechnung für Arbeit ist, neben ihrer zu hohen Besteuerung, zusätzlich enorm belastet, bedeuten doch von 100 Euro Gehalt satte 28 davon Personalzusatzkosten Richtung der Sozialversicherungen. Hier endlich durch ein BGE Entlastung zu schaffen, gäbe wichtige Impulse für den Arbeitsmarkt und machten es der Umsetzung des Mindestlohns für die Unternehmen erheblich leichter.

Wo gäbe es noch Gelder freizusetzen, um ein dringend notwendiges (vgl. etymologisch „die Not wenden“) Fangnetz für alle Bewohner dieses Landes einzuziehen? Da habe ich konkret einiges an Ideen als Vorschlag. Der Haushaltsüberschuss 2017 von 23,7 Mrd. Euro zum Beispiel, der sich nach Angaben des Bundesministeriums für Finanzen bis 2020 auf 55 Mrd. Euro jährlich steigern wird, wäre da schon ein erster Ansatz. 1.400 staatliche Betriebe häuften bislang 108 Mrd. (Steuer-)Euro Schulden an, wie erfreulich wäre hier ein Controlling, das diesen Namen zu recht trägt und diesen Unsinn stoppt.

Die avisierte Verdopplung des Rüstungsetats von derzeit 34 Mrd. Euro auf 70 Mrd. (!) im kommenden Jahr entbehrt jeglicher Grundlage, wir werden nicht angegriffen und die Erfolge unserer Auslandseinsätze sind nicht annähernd aussagekräftig genug für diese Budgetexplosion. Sollten sie tatsächlich humanitärer Intention sein, können wir zum Brunnenbohren und dem Bau von Schulen das Technische Hilfswerk entsenden, die blauen Fachkräfte können das besser. Durch die nicht konsequent genug stattfindende Eintreibung der Umsatzsteuer verloren wir im vergangenen Jahr 23,5 Mrd. Euro, hier könnte sich eine Verschiebung von Personal, das wir dank BGE im Sozialtransfersektor erübrigen können, rasch amortisieren. Weitere solcher Kräfte können sich in der Steuerfahndung bezahlt machen, auf ca. 100 Mrd. Euro verzichteten wir 2016 durch Steuerhinterziehung. Die Steuerausfälle von Cum/Cum- und Cum/Ex-Geschäften belaufen sich ersten Schätzungen zufolge auf 10,9 Mrd. Euro. Bereits jetzt haben wir hier genug Geld für ein 1,5-faches BGE beisammen, doch noch bin ich gar nicht fertig. Damit wir für 19 Euro nach Malle fliegen können, verzichtet der Staat auf über 7 Mrd. Euro Treibstoffsteuer bei Flugzeugen. Was für den normalen Auto- und Motorradfahrer gilt, findet keine Anwendung bei Airlines. 1,1 Mrd. Euro holen wir uns durch die überfällige Rückgängigmachung der albernen Mehrwertsteuerabsenkung für Hotelübernachtungen. Doch halten wir uns nicht länger mit Kleinbeträgen auf, stopfen wir jetzt die richtig großen Löcher! Die 500 größten Konzerne schufen sich Rücklagen von unfassbaren 1,8 Billionen Euro, was hauptsächlich dadurch möglich war, dass sie allein im EU-Raum Steuern von 620 Mrd. Euro im letzten Jahr dem Fiskus (halb)legal entzogen. Hier wird es allerhöchste Zeit, diese Umsatzgiganten (Amazon, Apple, Facebook, Google, Ikea, McDonalds, Starbucks etc.) endlich zu jenen Pflichten zu zwingen, die jeder Arbeitnehmer auch zu leisten hat (und zudem als Kunde diese Rückstellungen bezahlte)! Die Einführung einer Börsenumsatzsteuer auf kurzfristige Spekulationen von nur 0,5% (vgl. 19% allgemeine Mwst.) erbrächte im ersten Anlauf 250 Mrd. Euro. Eine Vermögenssteuer von 1,5% ab einer Million Vermögen (zur Verdeutlichung: 15.000 Euro von 1.000.000, also beileibe keine verarmende Enteignung) spülte 30 Mrd. in die Kassen. Die Kosten für arbeitsbedingte Psychoerkrankungen kosten die Krankenkassen 34 Mrd. Euro in diesem Jahr und die Arbeitgeber 71 Mrd. Hier könnte das BGE durch Umstrukturierung von Arbeit sicherlich eine Reduktion von mindestens einem Drittel erreichen, womit weitere 35 Mrd. Euro zur Verfügung stünden. Sie addieren noch fleißig mit? Hier aber will ich es zunächst gut sein lassen, obgleich noch etliche weitere sinnvolle wie üppige Quellen zur Verfügung stehen, Stichwort Pharmakonzerne zum Beispiel.

Fazit für die beiden Argumente gegen das BGE: Niemand wird noch arbeiten? – Umfassend gründlich widerlegt. Wer soll das bezahlen? – Fast ein Kinderspiel, wir bezahlen es längst.

Den Hebel von der ersten Industrialisierung auf die vierte umlegen: Nicht Geld für geleistete Arbeit, sondern Geld, um Arbeit (in all ihren Facetten) leisten zu können. Dieser Paradigmenwechsel ist die große Hürde in unser aller Köpfen beim Thema BGE, nicht die Motivation zu arbeiten und erst recht nicht die Machbar- oder Bezahlbarkeit. Was wir für die kommenden 15 Jahre schleunigst brauchen, ist eine kraftvolle Vision, keine Retropie, wie sie uns sämtliche Parteien in ihrem anästhetischen Wahlkampf glauben, verkaufen zu müssen. „Weiter so“ ist längst keine Option mehr. Das Denken von Gestern und das Ignorieren des Heute liefern keine belastbaren Antworten für morgen. Besser die Weichen stellen, bevor der Zug darüber rast und entgleist. Und das wird er. Wollen wir heute, hier und jetzt nicht einfach mal mutig etwas anders andenken? Bevor die Ereignisse uns zum hektischen Agieren mit der heißen Nadel zwingen, wir abermals den unerbittlichen Realitäten hinterarbeiten. Die Zeit hält nicht an und wartet auf uns, bis unser Denken soweit ist. Das Problem der absurden Ungleichverteilung, die klandestine Metamorphose unserer Demokratie zur Plutokratie (vgl. Lobbyismus), der Drift der Schichten sowie die Radikalisierung wachsender Bevölkerungsgruppen hierzulande, werden dramatischer. 2017 können wir eine beherzte Gegensteuerung, eine couragierte Korrektur, eine mutige Annahme der Zukunft einleiten. Oder wieder warten, bis wir zu handeln gezwungen werden, weil uns die Probleme die schwarz-rot-goldene Schlafzimmertür des Dornröschen-Palastes GroKo wuchtig eintreten.

Nächste Folge (5): Graue Theorie und keine Wirkung.

Ein Kommentar zu „Geld für’s Nichtstun, lohnt sich Leistung? (Folge 4)

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