Heilpraktiker – der Albtraum der Schulmedizin

„Wer heilt, muss weg.“ Bielefelder Heilpraktiker Ralf Wigand zum Münsteraner Memorandum.

Am 21.8.2017 wurde das Münsteraner Memorandum „Heilpraktiker“ verabschiedet und in allen Medien professionell beworben. Eine selbsternannte Expertengruppe unter Federführung der Ethikbeauftragten, Frau Professor Schöne-Seifert, und weiteren 16 Naturheilpraxis-Laien, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die deutschen Bürger vor den Gefahren der Naturheilkunde zu schützen. Hauptforderung der 17 Freunde der klassischen Schulmedizin ist die sofortige Abschaffung des Heilpraktikerberufs. Bundesweit werden Institutionen und Einzelpersonen dazu aufgerufen, diesen an die Politik gerichteten Bittbrief zu unterstützen.

 

Als ich am 22.08. auf der Titelseite der Neuen Westfälischen den Beitrag dieser absurden Forderung gelesen hatte, war ich natürlich zuerst bestürzt. Seit 1994 bin ich in eigener Praxis tätig. In meinen Anfängen wurden Heilpraktiker von Seiten der akademisch hochgebildeten Schulmedizin allenfalls müde belächelt, aber als harmlos akzeptiert. Im Laufe der Jahre wendete sich das Blatt. Immer mehr Bürger waren von der Minutenmedizin der Ärzteschaft enttäuscht und informierten sich im Internet über Alternativen zu der chemischen, rein symptomatischen Therapie. Allein in meiner Praxis wurde bis zum heutigen Tag tausenden Patienten aus ihren aus Sicht der Schulmedizin unheilbaren, chronischen Krankheiten und der damit einhergehenden Tablettenabhängigkeit geholfen. Multipliziert man meine Erfolge mit ähnlichen positiven Ergenissen meiner geschätzten Kolleginnen und Kollegen, könnte man erklären, warum aus dem müden Lächeln ein aggressives Bellen geworden ist. Für die leitlinientreue Schulmedizin sind gesunde Patienten halt eine Majestätsbeleidigung.

Aus dem klugen Satz „Wer heilt, hat Recht!“ wurde nun „Wer heilt, muss weg!“.

Heilpraktiker Ralf Wigand

Aber was wird den Heilpraktikern eigentlich vorgeworfen? Immer wieder werden der Beruf und der medizinische Kenntnisstand der Heilpraktiker kritisiert und diffamiert. In Deutschland gibt es zwei Heilberufe, den Arzt und den Heilpraktiker. Die Heilpraktikerprüfung ist eine staatliche Prüfung beim zuständigen Gesundheitsamt. Die Prüfung besteht zunächst aus einer zweistündigen schriftlichen Prüfung. Besteht man diese, wird man anschließend zur mündlichen Prüfung zugelassen. Anspruch und Inhalt der Prüfungen entsprechen mindestens dem Physikum, also der Überprüfung nach vier Semestern Medizinstudium. Verlangt und geprüft wird von dem verantwortlichen Amtsarzt das schulmedizinische Grundwissen eines Hausarztes. Die Durchfallquote liegt bei ca. 80%. Soweit zu dem beliebten Gerücht „Zettel ankreuzen und du bist Heilpraktiker!“. Für mich persönlich war die Heilpraktikerprüfung, verglichen mit meinem Abitur und Studium, die mit Abstand schwerste Prüfung.

Kritisiert wird von den 17 selbsternannten Volksschützern u.a. die nicht einheitliche Ausbildung der naturheilkundlichen Therapien während der Heilpraktikerausbildung. Allerdings stehen Ärzte und Heilpraktiker nach beendetem Studium vor der gleichen Situation. Vollgepackt mit theoretischem Wissen fehlen die Praxis- und Therapieerfahrung. Für mich ist diese Situation vergleichbar mit der Führerscheinprüfung. Nach bestandener Prüfung darf man am Straßenverkehr teilnehmen. Ob man dann ein guter Autofahrer wird, liegt an jedem selbst. Nach der bestandenen Prüfung beginnt die eigentliche Praxisausbildung. Je nach Neigung, aber auch nach den finanziellen Möglichkeiten trennt sich hier die Spreu vom Weizen. Allerdings haben alle Heilpraktiker eines gemeinsam, sie halten sich akribisch an Vorschriften und Gesetze, können Krankheiten gut abschätzen und kennen ihre therapeutischen Grenzen.

Willkommener Anlass für die Heilpraktikerhetze waren drei Todesfälle im Juli 2016 in einer alternativen Krebsklinik unter der Leitung eines Heilpraktikers. Bis zum heutigen Tag ist unklar, ob die Todesfälle im Zusammenhang mit dem Medikament 3-Bromopyruvat stehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Verstorbenen an den Folgen der vorherigen chemotherapeutischen Behandlung sowieso verstorben wären.

Im deutschen Strafgesetz gilt die Unschuldsvermutung solange, bis die Schuld gerichtlich bewiesen ist. Fakt ist allerdings, dass der verantwortliche Heilpraktiker ein nur Ärzten zugängliches, verschreibungspflichtiges Medikament verabreicht hat. Dieses ist ein eindeutiger Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz, da Heilpraktiker keine verschreibungspflichtigen Medikamente einsetzen dürfen. Diese Vorschrift ist selbstverständlich allen anderen praktizierenden Heilpraktikern bekannt und wird auch eingehalten.

Falls dem Heilpraktiker eine Schuld durch falsche Behandlung nachgewiesen wird, ist dies nach meinen Erkenntnissen der erste Zwischenfall mit Todesfolge in der achtzigjährigen Geschichte der Heilpraktiker. Nach Meinung der 17-köpfigen Volksschützer sollen entgegen jeglicher Logik prophylaktisch alle Heilpraktiker kollektiv mit einem Berufsverbot bestraft werden.

An dieser Stelle deshalb ein dickes Dankeschön an den Gesundheitspolitiker und Arzt Dr. med. Hans-Martin Groß. In seiner Stellungnahme vom 30. August 2017 bewertet er das Münsteraner Memorandum kritisch und sachlich. Seiner Meinung nach seien die Heilpraktiker ein wichtiger Bestandteil der Volksgesundheit und das Memorandum ein kläglicher Versuch, unliebsame Konkurrenz loszuwerden. Dr. Groß weist darauf hin, dass allein im Jahr 2013 18.800 Patienten durch Behandlungsfehler in deutschen Krankenhäusern getötet wurden.

Sehr geehrte Frau Prof. Schöne-Seifert, was halten Sie von meinem Vorschlag, ihren Ethik-Besen zu nehmen und vor der eigenen Haustür Dreck zu fegen? Finden sie es ethisch richtig, dass in Deutschland jeden Tag 300 Bürger an den Folgen der Chemotherapie sterben? Der größte Teil dieser Opfer wird allein aus kommerziellen Gründen, ohne jegliche Aussicht auf Heilung oder Lebensverlängerung, zu Tode therapiert. Finden sie es ethisch richtig, dass kaum ein Arzt diese menschenunwürdige Behandlung bei sich oder seiner Familie zulassen würde?

Finden sie es ethisch richtig, dass die erbärmliche Erfolgsrate der Chemotherapie durch die gleichzeitige Einnahme von Methadon verbessert werden könnte, dieses aber den Betroffenen mit fadenscheinigen Argumenten vorenthalten wird? Ein zum Tode Verurteilter pfeift auf Studien, wenn sein Leben gerettet werden kann. Finden sie es ethisch, dass jährlich tausende Bürger durch lapidar verordnete Antidepressiva in den Selbstmord getrieben werden. Diese kleine Nebenwirkung steht in jedem Serotonin-Abbauhemmer Beipackzettel. Und finden sie es ethisch richtig, dass der depressive Copilot der Germanwings, Andreas Lubitz, am 24. März 2015 vermutlich wegen dieser Nebenwirkung sich und 150 weitere Menschen getötet hat? Kein Staatsanwalt hat bisher gegen die verantwortungslosen Ärzte von Herrn Lubitz wegen Beihilfe zum Selbstmord, sowie der Beihilfe zum 150-fachen Mord ermittelt. Diesen Fragenkatalog könnte man unendlich weiterführen…

Abschließend noch ein paar Worte an das Schmuckstück ihrer Expertentruppe: Frau Dr. Natalie Grams. Jahrelang hat sie erfolgreich! eine homöopathische Privatpraxis geführt. Irgendwann stellte sie sich die Frage: „Was mach ich hier eigentlich?“ Gekonnt durchleuchtete sie die Wirkungsweise der Homöopathie und kam folgerichtig zu der Erkenntnis: “Da ist ja stofflich kaum was drin!“ Also war sie sogleich konsequent und gab ihre Praxis auf. Schnell wurde im Anschluss ein Buch über den Unsinn der Homöopathie geschrieben und kräftig im Fernsehen beworben. Die Schulmedizin hat ihr den Ausflug zur „dunklen Seite der Wissenschaft“ verziehen und alle haben sich wieder lieb! So soll nun eine Ärztin, die mehrere Jahre benötigte, um die Rätsel der Homöopathie zu lüften, über die Zukunft der Heilpraktiker entscheiden? Ein Heilpraktiker benötigt für diese „Lüftung“ allenfalls 10 Minuten! Die Frage, warum die Homöopathie auch bei Säuglingen und Tieren, also zwei plazeboresistenten Gruppen wirkt, kann sie natürlich nur mit den üblichen, dümmlichen Phrasen beantworten. Ich bin mir sicher, dass Frau Dr. Grams allein aus ethischen Gründen mit der Rendite aus den verkauften Büchern ihre Praxisopfer finanziell entschädigt.

Meine Stellungnahme möchte ich mit folgenden Worten beenden: „Ich vertraue der Politik und unserem Rechtssystem. Die Heilpraktiker sind nach wie vor ein sehr wichtiger Bestandteil in unserem Gesundheitssystem. Never change a winning Team!

Naturheilpraxis Ralf J. Wigand
Vilsendorfer Straße 4
33739 Bielefeld (Jöllenbeck)
Telefon 05206-4484
http://www.heilpraktiker-wigand-bielefeld.de

 

Foto 1: Irene von Uslar

16 Kommentare zu „Heilpraktiker – der Albtraum der Schulmedizin

  1. Es hilft nicht, emotional in die Diskussion einzusteigen. Nach eigener Erfahrung ist das der falsche Weg. Jeder Heilpraktiker und auch der Heilpraktikerbund sollte jeden der in dem Memorandum beteiligten Menschen wegen rufschädigender Äusserung eine Unterlassungserklärung zukommen lassen.
    Ich bin selber Ärztin und habe die Versicherungsmedizin verlassen, habe also eine – übrigens gut gehende – Privatpraxis und war genau aus dem Grund in der Vergangenheit ähnlichen Anfeindungen durch andere Ärzte, aber früher auch durch Privatkassen, ausgesetzt und habe über diesen Weg Ruhe in mein Arbeitsumfeld bekommen. Es scheint nicht anders zu funktionieren, denn dieser Menschenschlag geht weder wissenschaftlich noch seriös mit fremder Meinung und fremden Wissen um. Viel Glück.

  2. Ein anderer Blickwinkel auf das verlangte Verbot des Heilpraktikerberufes: Ende Juli, ein schöner warmer Sonnentag. Passiert ist es in Obertraubling, in der Nähe von Regensburg. Zwei Motorradfahrer begegnen sich im Kreuzungsverkehr, Kollision im 90 Grad Winkel. Einer liegt schwerverletzt auf der Straße, nach erster Sichtung nicht lebensbedrohlich, der andere ca 25 Meter weiter, er wurde durch die Luft katapultiert, Aufprall mit der Körper zunächst gegen ein Verkehrsschild, dann der Straßengraben. Patient ringt mit dem Tod, das Visier des Helmes ist mit Blut aufgefüllt und damit luftdicht verschlossen. Der Patient ist am Ersticken. Fachgerechte Abnahme des Helmes, tiefe Absaugung der Atemwege – somit ist das unmittelbare Ableben des Verunglückten zunächst verhindert. Entfernen der Kleidung mittels Kleiderschere für die erste Diagnostik. Schädeldach instabil, Thorax durch Rippenserienfraktur beidseits instabil, Bauch ist bretthart – von schweren inneren Verletzungen ist auszugehen – damit Blutverlust in den Bauchraum sowie in die Atemwege, ebenfalls in die geschlossenen Brüche der Beine. Anlegen von EKG, Pulsoxymeter, Sauerstoff, zwei großvolumige Venenzugänge, schnell laufende Infusionen, weiterhin kontinuierliches Absaugen der Atemwege. Der junge Familienvater kämpft mit dem Tod. Der erste Rettungswagen trifft ein, muß sich aber um den anderen Schwerverletzten kümmern, weil dieser unversorgt ist. Warten auf den Rettungshubschrauber, Übergabe an das Team und hoffen, daß der Mann überlebt. Ein Jahr später habe ich erfahren, daß er vor kurzem aus dem Krankenhaus und den Rehamaßnahmen entlassen wurde und wieder bei seíner Familie sein konnte. Man könnte jetzt sagen – da hat alles gut geklappt – gut daß der professionell ausgerüstete Ersthelfer zufällig vor Ort war. Es war auch so. Der Grund dieses Textes ist, nochmal darüber nachzudenken, ob ein Verbot der Heilpraktiker in irgendeiner Art und Weise gerechtfertigt ist. Diesem Unfallopfer hat die Behandlung durch einen Heilpraktiker sicher nicht geschadet!

  3. Herzlichen Dank Herr Kollege, für Ihre klugen und kritischen Worte!
    Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
    Nach 7 Jahren Ausbildung mit jährlichen, umfangreichen Fortbildungen und diversen Hospitantenstellen in Kliniken habe ich durchaus eine vernünftige Kompetenz in meinem Beruf als Heilpraktikerin-klassischer Homöopathin erlangt. Meine Patienten sind gerne bei Vorsorge- bzw. Diagnostik Terminen, die ihre wachsende Gesundheit dokumentieren.

    1. Es geht nicht um Konkurrenz – man kann schlicht nicht mit gleichen Ellen messen – sondern um Komplementarität! Diese feindselige Haltung schadet dem Patienten genauso.

  4. Sehr geehrte, sehr geehrter Norepinephrin,
    Sie schreiben sehr kritische Worte – Ihre Sicht der Dinge – in einigen Punkten haben Sie Recht, was die Ausbildung eines Arztes betrifft. Gegen was ich mich seit inzwischen fast 25 Jahren verwehre, ist die Tatsache, daß es häufig so hingestellt wird, als ob sich jeder der Lust hat, als Heilpraktiker bezeichnen darf. Dem ist nicht so! Es hat immer den Anschein, als ob wir uns selber zulassen oder das von Kollegen gemacht werden kann. In meinem Gesetzestext stand damals wortwörtlich, daß in der Überprüfung durch den zuständigen Amtsarzt ärztliches Wissen nachgewiesen werden muß. Die Zulassung bekam ich vom Amtsarzt. Ich gehe davon aus, ein Kollege von Ihnen.

  5. Keiner der Kolleginnen und Kollegen hat etwas gegen eine Ausbildung oder eine Prüfung. Niemand darf ohne Prüfung und Zuslassung durch den Amtsarzt den Beruf ausüben – wie bei der Bäckereifachverkäuferin………….. 🙂
    Ein Berufsverbot ist da schon eine andere Angelegenheit. Darum geht es! Es geht um Existenzen sowie ein Abdrängen der Naturheilkunde in die Illegalität. Wenn es keine Heilpraktiker mehr gibt, dann wird die Naturheilkunde wieder im dunklen Hinterzimmer illegal praktiziert – definitiv keine ausgebildeten und vor allem überprüfbare Personen. Ich persönlich schätze die Kommunikation mit den Ärzten sehr – wir haben in Regensburg klasse Ärzte, die das Miteinander für den Patienten richtig verstanden haben. An dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

  6. Wenn unsere Prüfung ein Witz ist, lade ich Sie gerne ein, diese zu versuchen. Die Durchfallquote von 80 Prozent oder mehr liegt nicht daran, dass an dieser Prüfung nur geistig zurückgebliebene teilnehmen. Auch wird der überprüfende Arzt seine Verantwortung ernst nehmen. Zum Thema Ausbildung: Ich habe vor der Heilpraktikerprüfung das Staatsexamen für Krankenpflege gemacht und ebenso bin ich ausgebildeter Rettungssanitäter. Meine Freizeit verbrachte ich in der Notaufnahme.

    1. Ich kann die Wut verstehen. Heilpraktiker abzuschaffen, ist ein Irrsinn.
      Aber dieser Text – sehr indifferenziert – schäumt nur vor Unkenntnis und Proletarismus. Es fehlt an Verständnis für die Herangehensweisen ethischer Fragen, und die Grundprinzipien und evidenten Rollen der Schulmedizin und Heilpraktik im Gesundheitssystem.

  7. Sehr geehrter Herr Wigand,
    Warum machen sie keine Gegenposition auf?
    Unterschriften kriegen sie hier in den sozialen Netzwerken ganz schnell.
    Gruß
    S.Peyron

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