Europas größter Klostermarkt

Wenn Schwester Andrea ihren Weinkeller öffnet, Pater Werner am Grill steht, Schwester Laetitia den Klostergarten plündert und Pater Gerhard sein Kräuterwissen teilt, dann ist im Kloster Dalheim, heute das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Kloster Stiftung Dalheim (Kreis Paderborn), wieder Zeit für Europas größten Klostermarkt.

Gutes so nah: Back- und Süßwaren, Eintopf, Käse und Most gibt es für das leibliche Wohl bei den Benediktinern der Abtei Königsmünster im Sauerland
Gutes so nah: Back- und Süßwaren, Eintopf, Käse und Most gibt es für das leibliche Wohl bei den Benediktinern der Abtei Königsmünster im Sauerland. Foto: LWL/Tillmann

Am Wochenende, 27. und 28. August, kommen Ordensschwestern und -brüder aus 40 Abteien, Stiften und Klöstern in Österreich, Tschechien, Weißrussland und dem gesamten Bundesgebiet ins westfälische Dalheim, um auf dem weitläufigen Klostergelände ihre Waren anzubieten.

Der Klostermarkt gibt seinen Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit, direkt mit der Fülle klösterlicher Kultur in Berührung zu kommen. Hier können sie sehen, hören und schmecken, was Klosterkultur bedeutet und sich mit den Ordensleuten über Gott und die Welt austauschen„, sagte die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kloster Dalheim, Dr. Barbara Rüschoff-Thale bei der Vorstellung des Dalheimer Jubiläumsprogramms : „Das ehemalige Kloster Dalheim wird damit zu einem lebendigen Ort des Austauschs über Klosterkultur.“

Edle Tropfen: Wein, Liköre und Produkte nach Hildegard von Bingen gibt es bei den Benediktinerinnen aus St. Hildegard in Rüdesheim. Foto: LWL/Tillmann
Edle Tropfen: Wein, Liköre und Produkte nach Hildegard von Bingen gibt es bei den Benediktinerinnen aus St. Hildegard in Rüdesheim. Foto: LWL/Tillmann

Vom handgebrauten Bier der Schwestern im bayerischen Mallersdorf und den frisch gebackenen Käsestangen der Augustiner-Chorherren aus dem österreichischen Stift St. Florian über Ikonen aus einem Kloster im weißrussischen Minsk, selbstgefertigtem Silberschmuck der Eremitinnen des Heiligen Chariton, Fairhandel-Produkte aus der Abtei Münsterschwarzach, Töpferwaren aus dem Weserörtchen Herstelle bis zu den hölzernen Gartenmöbeln und Kinderspielzeugen aus der Behindertenwerkstatt der Barmherzigen Brüder im oberbayerischen Algasing: „Das Warenangebot auf dem Dalheimer Klostermarkt ist ebenso vielfältig wie die vertretenen Ordensgemeinschaften“, freut sich Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. Immer stünden die Erzeugnisse in der Tradition der Klöster für achtsame Herstellung, außergewöhnliche Qualität, Reinheit und Naturnähe.

Authentische Plattform klösterlicher Lebenskultur

Organisatorin Marianne Rosar von der Stiftung Kloster Dalheim kann sich auch 2016 wieder über die Anmeldungen unterschiedlichster Ordensgemeinschaften freuen: „Die 40 Ordensgemeinschaften entsenden mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter nach Dalheim.“ Viele der Ordensgemeinschaften sind Stammgäste in Dalheim und schon seit der ersten Auflage des Dalheimer Klostermarkts im Jahr 2002 dabei. Sie empfänden den Klostermarkt als authentische Plattform für ihre klösterliche Lebenskultur und Spiritualität, so Rosar. Vor 15 Jahren angefangen mit 40 laufenden Metern Standfläche verteilt sich der Dalheimer Klostermarkt heute mit mehr fast 300 Metern über das gesamte Klostergelände. Immer neue Ordensgemeinschaften und Klöster finden den Weg nach Dalheim. Und sie kommen aus immer weiter entfernten Klöstern: Rund 1.500 Kilometer sind zum Beispiel die Schwestern aus dem Kloster der Heiligen Elisabeth im weißrussischen Minsk unterwegs.

Weite Anreise: Die Schwestern aus dem Kloster der Hl. Elisabeth in Minsk/Weißrussland sind bekannt für ihre Ikonen. Foto: LWL/Tillmann
Weite Anreise: Die Schwestern aus dem Kloster der Hl. Elisabeth in Minsk/Weißrussland sind bekannt für ihre Ikonen. Foto: LWL/Tillmann

 

Geheimtipps

Unter den Waren aus klösterlichem Weinkeller, Brauerei und Brennerei, Klosterwerkstätten und -ateliers befinden sich in jedem Jahr echte Geheimtipps: die handgestrickten Wollsocken der Paderborner Vincentinerinnen, die Teddybären der Schwestern von der Brede in Brakel, die Olivenholzschnitzereien der Karmeliten aus Straubing oder das kulinarische Angebot der Kopten aus Brenkhausen bei Höxter.

Aus Klostergarten und -apotheke

Beliebt bei Besuchern sind insbesondere die Produkte aus Klostergarten und -apotheke: Tees und Tinkturen in der Tradition der Klosterheilkunde nach Hildegard von Bingen bringen die Hildegard-Schwestern aus Rüdesheim mit nach Dalheim ebenso wie die Mönche aus dem österreichischen Stift Schlierbach. Auch die Kräutervorträge von Pater Gerhard, der an beiden Tagen sein Wissen preisgibt, sind echte Fundgruben für Gartenfreunde. Aus seinem Garten im Brunnenhof, einer Filiatur der Abtei St. Severin, im oberschwäbischen Ebenweiler, stammen Hausmittel wie der Muskelbalsam „Roter Phoenix“ oder die „Garten- und Handwerkerseife“. Die Jakobusschwestern aus Paderborn bieten Kräuterkissen an. Frisches Obst aus den Klostergärten ist ebenso zu bekommen wie Marmeladen, Chutneys, Relishs oder Liköre.

Begegnungen: Spiritualität erleben

Beim Klostermarkt im westfälischen Kloster Dalheim zählt aber nicht nur die Warenvielfalt. Das gemeinsame Engagement von Veranstalter und Ordensleuten verleihe dem Markt sein einzigartiges Gesicht, sagt Rosar: „Zum 15. Klostermarkt freuen wir uns besonders über die vielen Beiträge der Ordensleute zum Marktprogramm.“ Neben den Kräutervorträgen gibt Pater Gerhard an beiden Tagen geistliche Impulse (Samstag und Sonntag jeweils um 12 und 14 Uhr) in der Klosterkirche. Pater Werner Vullhorst OSB aus der Abtei Königsmünster in Meschede gestaltet den gemeinsamen Gottesdienst von Besuchern und Ordensleuten am Samstag um 17 Uhr. Bruder Stephan Oppermann kümmert sich um den künstlerischen Blumenschmuck. Er bringt außerdem zwei Installationen (Stühle „Was ist Dein Halt“ und Fernrohre „Kirche im Blickpunkt“) für das Klostergelände mit, die bereits 2015 mit großem Erfolg in Maria Laach gezeigt wurden. Erstmals gestalten Mitglieder der Gemeinschaft der Seligpreisungen (Bad Driburg) eine gesungene Vesper in der Klosterkirche (Sonntag, 15 Uhr). Das City-Kloster Bielefeld kommt mit Kaffee und Kuchen, aber auch mit einem Gesprächsangebot.

Die Ordensleute sind die Seele des Marktes„, sagt Ingo Grabowsky, der sich bei ihnen für die Mühen vor allem auch derjenigen bedankt, die teils lange Anreisen auf sich genommen haben.

Rahmenprogramm

Zum Rahmenprogramm des Klostermarkts gehören Vorführungen historischer Handwerkstechniken wie z.B. Grünholzdrechseln, Weben am Schaftwebstuhl oder Destillieren in der Klosterbrennerei. Klostermühle, -brauerei und -schmiede sind in Betrieb, am Sonntag zusätzlich die Stellmacherei.

In der „Klosterwerkstatt“ flechten Kinder kleine Körbe, die sie selbst bepflanzen. Sie formen Lämpchen aus Ton, die sie mit Wachs ausgießen, und sägen Klosterschafe aus Holz, die sie mit Wolle verzieren (Materialkosten pro Kind: drei Euro). Auf dem Gelände gibt es einen Streichelzoo. Unter Anleitung können Kinder ein kleines Fachwerkhaus aufbauen, und um den Markt für Familien noch attraktiver zu gestalten bietet der DJK-Sportverband, Diözesanverband Paderborn, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr erstmals einen Bewegungsparcours für Kinder ab drei Jahren an – auch Erwachsene können mitmachen.

Am Sonntag erwartet die Besucher Bläsermusik mit dem Ensemble „Reine Blechsache“ auf dem Klostergelände.

Im Eintrittspreis zum Markt enthalten ist auch der Besuch des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur, das an beiden Tagen kostenlose Führungen durch die Klosteranlage, die Klostergärten und die Ausstellung anbietet.

Eintrittspreise
Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder/Jugendliche bis 16 Jahre 1,50 Euro, Kinder bis 10 Jahre frei.
Das Klosterwirtshaus ist, anders als im regulären Museumsbetrieb, während des Klostermarktes nicht frei zugänglich. Der Zugang zum Gottesdienst am Samstag, 17 Uhr, ist frei.
Hunde sind angeleint auf dem gesamten Klostergelände erlaubt – nicht erlaubt sind Hunde im Museum. Weitere Informationen unter Telefon 05292 9319-0.

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