Alles Werden ist eine Form der Bewegung

Einen Sommer lang durch die Landschaft zu wandern und poetische Orte und Industriestätten durch Literatur und Musik zu entdecken und zu beleben, das ist seit dem Jahr 2000 das so erfolgreiche Konzept von ‹Wege durch das Land›. Am 29. Mai 2016 um 17.00 Uhr führt der Weg erstmals nach Lauenförde.

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Im Kragstuhlmuseum des Unternehmens Tecta, im futuristisch-transparenten Gebäude des britischen Architektenpaares Smithson, kommt mit Viktor Šklovskij der bedeutendste Vertreter des russischen Formalismus zu Wort. In seinem Roman ‹Dritte Fabrik› schreibt er darüber, wie das Leben den Menschen bearbeitet. Felix von Manteuffel liest aus diesen reizvollen, verrätselten Erinnerungen, in denen auch das Bauhaus eine Rolle spielt. In seinem hinreißend komischen Buch ‹Das Leben ist keine Kunst› erzählt Wladimir Kaminer Geschichten über Künstlerpech und von Lebenskünstlern. Unter dem Namen Hauschka erforscht der Düsseldorfer Pianist Volker Bertelmann die Klangräume des präparierten Klaviers.

Felix v. Manteuffel
Felix von Manteuffel

An den geschwungenen Ufern der Weser liegt Lauenförde. Seit über 40 Jahren geht hier die Avantgarde der Gestaltung ein und aus: ob das britische Architektenpaar Smithson, der Architekt Mies van der Rohe, Sergius Ruegenberg, der Gestalter Stefan Wewerka. Ein hoher, signalroter Gitter-Turm weist zum Unternehmen Tecta. Es duftet nach Wald und Wiese; Manufaktur, das Kragstuhlmuseum und die Ausstellungshallen sind durch eine Landschaft verbunden, wie man sie in Südengland findet. Die Gebäude sind das letzte große Werk des britischen Architekten Peter Smithson, das er zusammen mit seiner Frau Alison entworfen hat.

Hauschka
Hauschka

Im Museum werden Urmodelle der Moderne von Schinkels Gußeisenstühlen über die großen Bauhaus-Denker wie die Familie Gropius, zu Marcel Breuer, Jean Prouvé und El Lissitzky bis in die Gegenwart gezeigt. Zu den Künstlern der russischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehört Viktor Šklovskij. In seiner autobiographischen Erzählung maskiert er sich als ein Don Quijote, um so Narrenfreiheit zu gewinnen in einer Gesellschaft, die dem Experiment in der Kunst den Spielraum nimmt; der Schauspieler Felix von Manteuffel trägt Auszüge daraus vor. Er steht seit über 30 Jahren auf den großen Bühnen in Deutschland und hat von Danton bis Gregor Samsa die rätselhaften, schillernden Charaktere verköpert. Daneben ist er regelmäßig im Fernsehen zu sehen und spielte im Kinofilm ‹Requiem für eine romantische Frau›.

Wladimir Kaminer
Wladimir Kaminer

Das neue Buch von Wladimir Kaminer enthält kleine Kolumnen, lose Kurzgeschichten, die durch das Thema Kunst verbunden sind. ‹Es geht darum, was passiert, wenn Lebenskünstler mit ihren unterschiedlichen Weltanschauungen mit der Realität zusammenprallen›, sagt Wladimir Kaminer, die echten Genies zeigten sich im Umgang mit dem Leben selbst – egal, ob sie dabei erfolgreich sind oder grandios scheitern. Wie es klingt, wenn Alltagsgegenstände wie Radiergummi oder Butterbrotpapier auf ein Klavier treffen, ist im Spiel von Hauschka zu erleben, der ein Popstar, ein ‹Stimmungsmaschinist›
des präparierten Pianos ist. Er entlockt dem Instrument neue Klänge und ersetzt ein ganzes Orchester.

Vom 6. Mai bis zum 7. August zeigt das Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land› in ganz Ostwestfalen-Lippe in seiner fein auf den Ort abgestimmten Dramaturgie mit einem vielseitigen Programm erneut den literarisch-musikalischen Reichtum unseres Kulturraums. 18 Premieren finden an 20 Veranstaltungstagen und an 19 verschiedenen Orten statt. Zu Renaissanceschlössern und barocken Adelshöfen, in Industriehalle und Kragstuhlmuseum, in Klöster und romanische Kirchen, in Kuhstall und Papiermühle, auf Wiesen, zu archäologischen Stätten und über den Fluß und in die Wälder führt das diesjährige Programm. Die Lesungen in diesem Sommer umkreisen die Beziehung von Mensch zu Mensch in Ausnahmesituationen und Umbruchzeiten, sie thematisieren
das Verhältnis von Mensch zu Natur, seiner eigenen, unsicheren, immer wieder zu hinterfragenden, und der umgebenden, die ihm fremd geworden ist und zu der er doch gehört. Zwiesprache, die der einzelne mit sich führt, große Dialoge, Rede und Widerrede, Spruch und Einspruch, aber auch das Schweigen, um die anderen zu hören, die Stille, um das Gewirr der Laute in der Natur wahrzunehmen – einen solchen Parcours der Mehrstimmigkeit unternimmt das 17. Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land›.
Die Veranstaltung im Tecta Kragstuhlmuseum wird unterstützt durch die TECTA Bruchhäuser & Drescher KG.

Karten für diese Veranstaltung kosten 50 / 40 / 27 Euro.
Kartenbestellung online unter http://www.wege-durch-das-land.de oder telefonisch unter 05231 / 30 80 210
Informationen zum Literatur- und Musikfest http://www.wege-durch-das-land.de
Wege durch das Land, Hornsche Straße 38, 32756 Detmold, Tel. 05231 / 30 80 20

Fotos zur Verfügung gestellt von „Wege durch das Land“.

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