Ein Spazierstock oder so wandert das Gespräch weiter

Einen Sommer lang durch die Landschaft zu wandern und poetische Orte und Industriestätten durch Literatur und Musik zu entdecken und zu beleben, das ist seit dem Jahr 2000 das so erfolgreiche Konzept von ‹Wege durch das Land›. Am 22. Mai 2016 führt der Weg mit einer Matinee um 11.30 Uhr erstmals auf das Gut Bruche bei Melle. Im Haus wird als ein Andenken an den Vorfahr Georg Friedrich Wilhelm Hegel sein Spazierstock verwahrt.

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Grund genug, Hegels Briefe an seine Frau Marie sowie Berichte seiner Zeitgenossen von den Schauspielern Nina Petri und Alexander Khuon vortragen zu lassen. Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin Anne Weber unternimmt in ihrem jüngsten Roman ‹Ahnen. Ein Zeitreisebuch› ebenfalls einen Weg in die Vergangenheit. Nicolas Altstaedt und Pekka Kuusisto spielen Kompositionen aus drei verschiedenen Jahrhunderten von Johann Sebastian Bach, Maurice Ravel und Jörg Widmann.

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Gut Bruche mit dem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert und einer symmetrisch angelegten Vorburg mit markanten Ecktürmen gehört zu den Wasserburgen, die versteckt in einer wunderschönen Parklandschaft liegen. Durch eine Allee führt der Weg über die Gräfte vorbei an dem Bergfried aus dem 14. Jahrhundert, dann öffnet sich das Bild und man erblickt den streng geometrisch angelegten Barockgarten mit der Orangerie. ‹Werden, Entwicklung, Entfaltung ist das allgemeine Gesetz der menschlichen Dinge, wie das der Natur›, erkannte der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel. Seine Person und seine Ideale stehen im Mittelpunkt der Lesung von Nina Petri und Alexander Khuon, sie zeigen in ihrem Vortrag auch die witzig-schlagfertige Seite des Philosophen. Anne Weber hat ein ‹Zeitreisetagebuch› geschrieben. Sie erzählt von ihrer Annäherung an den Urgroßvater und einer komplizierten deutschen Familiengeschichte. Florens Christian Rang – im Buch Sanderling genannt – war Jurist, Pfarrer, Schriftsteller und Philosoph. Er korrespondierte mit Hugo von Hofmannsthal, war befreundet mit Martin Buber und Walter Benjamin. ‹Es ist große Kunst, wie Anne Weber es vermag, aus der Geschichte dieser intellektuellen Randgestalt, verwoben mit ihrem eigenen Schicksal als uneheliche Tochter, eine paradigmatische Erzählung über jene Suche nach Herkunft zu machen, die immer noch viele Deutsche umtreibt›, schreibt Die Zeit.

Nicolas Altstaedt Cellist photo: Marco Borggreve all rights reserved

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Der deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt gehört zu den Musikern seiner Generation, die sich durch Vielseitigkeit auszeichnen. Sein künstlerischer Bogen spannt sich von der historischen Aufführungspraxis über das klassische Cello-Repertoire bis zur Auftragsvergabe für neue Werke. Er gehört zu den letzten Schülern Boris Pergamenschikows in Berlin. Der finnische Violinist Pekka Kuusisto ist international anerkannt als Solist und Orchesterleiter mit einem frischen Zugang zum Repertoire. Er ist Künstlerischer Direktor beim finnischen Our Festival in Järvenpää, der Heimatstadt von Jean Sibelius. Er spielt eine Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1752.

Vom 6. Mai bis zum 7. August zeigt das Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land› in ganz Ostwestfalen-Lippe in seiner fein auf den Ort abgestimmten Dramaturgie mit einem vielseitigen Programm erneut den literarisch-musikalischen Reichtum unseres Kulturraums. 18 Premieren finden an 20 Veranstaltungstagen und an 19 verschiedenen Orten statt. Zu Renaissanceschlössern und barocken Adelshöfen, in Industriehalle und Kragstuhlmuseum, in Klöster und romanische Kirchen, in Kuhstall und Papiermühle, auf Wiesen, zu archäologischenStätten und über den Fluß und in die Wälder führt das diesjährige Programm. Die Lesungen in diesem Sommer umkreisen die Beziehung von Mensch zu Mensch in Ausnahmesituationen und Umbruchzeiten, sie thematisieren das Verhältnis von Mensch zu Natur, seiner eigenen, unsicheren, immer wieder zu hinterfragenden, und der umgebenden, die ihm fremd geworden ist und zu der er doch gehört. Zwiesprache, die der einzelne mit sich führt, große Dialoge, Rede und Widerrede, Spruch und Einspruch, aber auch das Schweigen, um die anderen zu hören, die Stille, um das Gewirr der Laute in der Natur wahrzunehmen – einen solchen Parcours der Mehrstimmigkeit unternimmt das 17. Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land›.

Die Veranstaltung auf Gut Bruche wird unterstützt von der Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück und vom Verein für Kunst und Kultur Bruche e. V.

Karten für diese Veranstaltung kosten 50 / 40 / 27 Euro.
Kartenbestellung online unter http://www.wege-durch-das-land.de oder telefonisch unter 05231 / 30 80 210
Informationen zum Literatur- und Musikfest http://www.wege-durch-das-land.de
Wege durch das Land, Hornsche Straße 38, 32756 Detmold, Tel. 05231 / 30 80 20

Fotos zur Verfügung gestellt von „Wege durch das Land“.

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