Hof Betge – Denkmal des Monats Juni

Detmold (lwl). Schon in einem Register aus dem 14. Jahrhundert wird der aus dem Frühmittelalter stammende Hof Betge in Detmold-Vahlhausen erwähnt. Jetzt wird der zuletzt kaum noch genutzte und daher nur wenig veränderte Hof saniert. Deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ihn als Denkmal des Monats Juni ausgezeichnet.

Aus der Inschrift am Dielentor geht hervor, dass das Hauptgebäude des Hofes 1743 errichtet worden ist.  Foto: Stadt Detmold
Aus der Inschrift am Dielentor geht hervor, dass das Hauptgebäude des Hofes 1743 errichtet worden ist.
Foto: Stadt Detmold

„Es gibt nur wenig Modernisierungsspuren. So lässt sich noch heute die bauliche Entwicklung der Hofanlage gut ablesen“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Anne Herden-Hubertus. „Es gibt Befunde, die die bäuerliche Alltagswelt erhellen und ein lebendiges Bild der Nutzungsgeschichte, der Veränderungen in den Lebensgewohnheiten und der zunehmenden Ertragslage und Wirtschaftskraft in der lippischen Landwirtschaft bis in das frühe 20. Jahrhundert nachzeichnen.“

Das älteste erhaltene Gebäude der Hofanlage an der Blomberger Straße ist ein Vierständerbau. Das Bauernhaus wurde laut Inschrift am Dielentorgestell am „21. Mai 1686 für Jürgen Betke und Trin Angeneta Ostering“ aufgerichtet. Die Ständer der Fachwerkkonstruktion bestehen aus Hölzern mit außergewöhnlich breiten Ständern, die einen Querschnitt von bis zu 45 Zentimetern haben. Der Boden der breiten Diele besteht noch aus gewachsenem Lehm ohne Belag. Ursprünglich schloss sich an die Diele das Flett (offene Wohnküche) an. Später wurden hier eine Stube, eine Küche und eine noch erhaltene Pumpe eingebaut. An der Außenwand sind noch die Spuren eines Backofenanbaus erkennbar.

Die Leibzucht wurde Ende des 17. Jahrhunderts gebaut, damit ist sie das zweitälteste der erhaltenen Gebäude auf dem Hof Betke. Foto: LWL/Herden-Hubertus
Die Leibzucht wurde Ende des 17. Jahrhunderts gebaut, damit ist sie das zweitälteste der erhaltenen Gebäude auf dem Hof Betge. Foto: LWL/Herden-Hubertus

Nachdem der Hof gegen Ende des 17. Jahrhunderts um eine Leibzucht (Altenteil) erweitert worden war, bauten Johann Bernd Hinner und Gret Liesabeth Betge 1743 ein größeres Vierständer-Längsdielenhaus als neues Hauptgebäude. Auffallend ist das ungewöhnlich breite linke Seitenschiff, in dem die Pferde nicht wie üblich mit den Köpfen zur Diele standen, sondern quer an einem breiten Futtergang. Dem gegenüber liegt rechts der schmalen Diele das schmale Kuhstallschiff, in dem die Kühe wie üblich mit den Köpfen Richtung Diele standen. Wirtschaftsteil und Flett sind erhalten, das Kammerfach wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert niedergelegt und durch einen zweigeschossigen Querbau ersetzt, in dem Haus- und Zimmertüren, Fenster, Treppen und Bodenbeläge erhalten sind. „Diese qualitätsvolle Ausstattung belegt, dass sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch Kreise der wohlhabenden und gebildeten Landwirte an städtischen Vorbildern orientierten und komfortablere Wohnvorstellungen für sich und ihre Familien realisierten“, so Herden-Hubertus.

Weitere Gebäude
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ein Kuhstall, der quer ans Bauernhaus angebaut wurde sowie ein großes Stall- und Scheunengebäude, das parallel zum Haupthaus errichtet wurde. Beim Bau dieses Ziegelfachwerkgebäudes mit drei Quereinfahrten wurden Hölzer eines Vorgängerbaus wiederverwendet. Um 1900 erhielt das Gebäude einen zweigeschossigen Anbau aus Bruchsteinen mit Stallungen und einem Kornboden. 1910, 1930 und 1935 wurde das Gebäude erneut erweitert. Das Bauernhaus, die Leibzucht, die Stallscheune und die Hofmauer wurden im Frühjahr unter Denkmalschutz gestellt.

Sieben Jahrhunderte gehörte der Hof der Familie Betge, zu Beginn des Jahres wurde er verkauft. Die neuen Eigentümer sanieren ihn zur Zeit. Nachdem der Hof, der lange Zeit als einer der Höfe mit den besten Böden in Lippe galt, jahrzehntelang kaum genutzt wurde, kehrt bald wieder Leben ein. In den Kuhstallanbau an das Hauptgebäude sollen wieder Rinder einziehen.

 

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